Luthers Predigt über Matthäus 8,23-27 von 1531: „Fasse einen Mut: obschon die Wellen über das Schiff schlagen und das Meer toll und töricht wird und braust, dennoch fürchte dich nicht“

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Rembrandt – Christus im Sturm auf dem See Genezareth (1633)

Matthäus 8,23-27 (Jesu Sturmstillung) ist von alters her als Evangelium für den vierte Sonntag nach Epiphanias vorgesehen (in der neuen Perikopenordnung durch Mk 4,35-41 als Evangelium für den vierten Sonntag vor der Passionszeit ersetzt). Martin Luther hat über dieses Evangelium mehrfach gepredigt, so auch am 29. Januar 1531:

Predigt über Matthäus 8,23-27

Von Martin Luther

Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, so daß auch das Schiff mit Wellen bedeckt ward. Und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam sind?

Wir sehen, daß uns im heutigen Evangelium eine solche Geschichte vor Augen gestellt wird, aus welcher wir nicht lernen, was man tun soll. Denn von unsern Werken wird hier nichts gesagt, sondern was man in Nöten und Widerwärtigkeit glauben und wie man sich trösten soll. Darum ists der Evangelien eines, welches uns den hohen Artikel lehrt, nämlich den vom Glauben, den wir allezeit treiben und als das Hauptstück christlicher Lehre rühmen, obwohl das die einfältigste Kunst ist, von welcher sich jedermann dünken läßt, er könne sie gut. Und doch kann sie niemand außer den rechten Christen und hohen Heiligen.

Wir wollens so aufteilen: erstlich reden vom Kreuz und Leiden, wie es denen geht, die von Christus und dem Glauben predigen, zum zweiten vom Glauben und von seiner Natur und Art, zum dritten von dem Herrn Christus und von seiner Person, und zum vierten von der Frucht und dem Nutzen, die nach der Anfechtung und aus dem Glauben folgen. Solche Stücke werden fein anzeigen, eine wie tröstliche Geschichte uns der Evangelist mit so wenig Worten vorhält, die wir ja nicht gern entbehren sollten.

Das erste Stück ist vom Kreuz, wie es Christus und seinen Jüngern geht. Da der Herr mit seinen Jüngern in das Schiff tritt, da ists noch fein still, ist kein Ungewitter, sondern scheint die Sonne, und das Meer ist auch sanft und freundlich anzusehen. Sobald sich aber Christus mit seinen Jüngern in das Schiff setzt und sie vom Lande abgestoßen sind und auf das Meer kommen, da wird der Himmel finster und erhebt sich ein so großes Ungestüm, daß das Schiff­lein mit Wellen bedeckt wird, als ob es jetzt untergehen sollte. Die andern Schiffe greift der Wind nicht so schnell an, aber das Schiff, darin Christus und seine Jünger sitzen, muß her­halten.

Diese Geschichte sollen wir gut merken, auf daß wir wissen, wie es sich anläßt, wenn die Lehre vom Glauben auf den Plan kommt, und gleich ein Sprichwort daraus machen und sagen: So gehts, kommt Christus in das Schiff, so wirds nicht lange still bleiben, es wird ein Wetter und Ungestüm kommen, die Sonne scheint nicht mehr, und das Meer wütet und tobt. Christus sagts selbst, Luk. 11, 21f., daß der starke Gewappnete seinen Palast in Ruhe und Frieden besitzt, bis ein stärkerer kommt; alsdann geht der Unfriede an und erhebt sich ein Schlagen und Kämpfen. So sieht man es auch allenthalben in der Geschichte des Evangeli­ums. Wenn zuvor alles still ist: sobald Christus sich mit einer Predigt hören und mit einem Wunderwerk sehen läßt, da brennt es in allen Gassen, da wird der Teufel erst recht zornig und erregt und hetzt gegen ihn die bösen Buben, Pharisäer, Schriftgelehrten, Hohenpriester auf, welche ihn schlechterdings tot haben wollen. Christus hats selbst lange vorher gesagt, Matth. 10, 34-36: »Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre Mutter und die Schwiegertochter wider ihre Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eignen Hausgenossen sein«.

Das dient alles miteinander dazu: wenn du ein Christ sein und diesem Herrn nachfolgen und mit ihm in das Schiff treten willst, daß du dein Herz darauf einrichtest und deine Seele in Geduld fassest. Denn sobald du dich zu diesem Herrn begibst und mit ihm in das Schiff kommst, so fängt bestimmt Wind, Ungewitter und Unfriede an. So vermahnt Jesus Sirach 2,1f. alle Gläubigen und spricht: »Mein Sohn, willst du Gottes Diener sein, so bereite dich auf Anfechtung vor. Sei standhaft und leide es«. Als wollte er sagen: Wenn du Gottes Diener nicht sein willst, so fahre immer hin, der Teufel wird dich wohl zufrieden lassen. Wenn du aber umgekehrt begehrst Gott zu dienen und ein Christ zu sein, so gib dich willig dahin und verzichte auf gute Tage, die Verfolgung wird nicht ausbleiben.

Fasse einen Mut: obschon die Wellen über das Schiff schlagen und das Meer toll und töricht wird und braust, dennoch fürchte dich nicht. Sondern denke so: Um der Welt Gunst willen habe ichs nicht angefangen, um ihrer Ungunst und Zorns willen will ichs auch nicht unterlas­sen.

Das ists, was der Evangelist uns damit lehren will, daß er sagt, das Ungestüm habe sich zuerst erhoben, da Christus in das Schiff getreten und auf das Meer vom Lande weg gekommen sei, auf daß wir ein Sprichwort draus machen und sagen: Willst du ein Christ sein, so mußt du er­warten, daß der Wind und das Meer ein Ungestüm anrichten werden. Willst du Christus und den Glauben predigen und bekennen, so wirds in der Welt wüst zugehen.

Das zweite Stück ist von der rechten Art des Glaubens, wenn er in seinem rechten Werk und Kampf steht. Es ist ein gering Ding, wenn man das Wort »Glauben« hört; gleichwie unsere Widersacher unser lachen und spotten, wenn sie uns vom Glauben predigen hören. O, sagen sie, was ist Glauben? Dagegen aber halten sie viel vom freien Willen. Ich wollte ihnen aber wünschen, daß sie mit den Jüngern im Schiff gewesen wären und versucht hätten, was der freie Wille in solchen Ängsten und Nöten vermöchte.

Die Apostel habens hier fein gelernt, und der freie Wille hat hier schändlich bestanden. Es sei der Glaube bei ihnen so schwach und gering gewesen, wie er wolle: wo dennoch solcher schwacher, geringer Glaube nicht gewesen wäre, so hätten sie des freien Willens halber ver­zweifeln müssen und wären in den Abgrund des Meeres gesunken. Aber weil ein kleiner Glaube da ist, wie Christus selbst bezeugt, da er sagt: »Ihr Kleingläubigen!« so haben sie eine Zuflucht, daß sie nicht ganz verzagen, und laufen zu Christus, wecken ihn auf und begehren seiner Hilfe.

So nun die, welche den Glauben haben, wie schwach und gering er auch sei, in Nöten nicht aushalten können und die Apostel nicht bestehen, wenn es um die letzten Atemzüge geht: was sollte denn dein freier Wille und menschliche Vernunft tun? Ich bekenne und sage auch, daß du einen freien Willen habest, die Kühe zu melken und ein Haus zu bauen, aber nicht weiter. Wenn du in Sicherheit und Freiheit sitzt, ohne Gefahr bist und in keinen Nöten steckst, lassest du dich wohl dünken, du habest einen freien Willen, der etwas vermöge. Wenn aber die Not gekommen ist und es weder zu essen noch zu trinken gibt, weder Vorrat noch Geld: wo bleibt hier dein freier Wille? Er verliert sich und kann nicht bestehen, wenn es darauf ankommt. Der Glaube aber steht und sucht Christus.

Deshalb ist der Glaube eine ganz andere Sache als der freie Wille. Ja, der freie Wille ist nichts und der Glaube ist alles, der freie Wille ist ein ohnmächtig Ding, der Glaube aber ists ganz und gar nicht. Das sieht man hier fein an den Jüngern, welche in Gefahr sind. Da ist Trost, Freude und alles dahin. Das heißt auf gut Deutsch: Der Mensch vermag doch gar nichts, die Kraft aber ist Gottes. Was nun die Jünger versucht haben, das wird ein jeglicher zu seiner Zeit auch erfahren. Versuche es, so du keck bist, und führe es hinaus mit deinem freien Willen, wenn Pest, Krieg, Hungersnot kommt. Zur Pestzeit kannst du vor Furcht nichts beginnen, da denkst du: Ach, Herrgott, wäre ich da oder da, könntest du dich hundert Meilen Wegs davon­wünschen, so fehlte es am Willen nicht. In Hungersnot denkst du: Wo soll ich zu essen hernehmen? Das sind die großen Taten, die unser freier Wille ausrichtet, daß er das Herz nicht tröstet, sondern je länger je mehr verzagt macht, daß es sich auch vor einem rauschenden Blatt fürchtet.

Aber im Vergleich dazu ist der Glaube die Herrin und Kaiserin. Wenn er auch klein und schwach ist, so steht er dennoch und läßt sich nicht ganz zu Tode schrecken. Er hat wohl große Dinge vor sich, wie man hier an den Jüngern sieht. Wellen, Wind, Meer treiben alle miteinander zum Tode zu, das Schifflein ist ganz mit Wellen bedeckt. Wer sollte in solcher Not und tödlicher Gefahr nicht erblassen? Aber der Glaube, wie schwach er auch ist, er hält doch wie eine Mauer und stellt sich wie der kleine David wider Goliath, das heißt Sünde, Tod und alle Gefährlichkeit. Besonders streitet er aber ritterlich, wenns ein starker, vollkommener Glaube ist; ein schwacher Glaube kämpft auch gut, ist aber nicht so mutig.

Die Jünger im Schiff haben einen schwachen Glauben. Dennoch suchen sie Hilfe da, wo sie zu suchen ist, nämlich bei dem Herrn Christus, wecken ihn auf, schreien ihn an: »Herr, hilf uns, wir verderben!« Der Herr nennt sie kleingläubig. Er bekennt damit, daß sie einen Glau­ben haben, aber es sei ein kleiner, schwacher Glaube. Denn wo sie gar keinen Glauben gehabt hätten, würden sie Christus in der Not nicht aufgeweckt haben. Daß sie ihn aber aufwecken, das ist ein Stück des Glaubens. Denn niemand kann Gott anrufen, besonders in der Not, er habe denn den Glauben. Ob nun in den Jüngern schon nur ein Fünklein des Glaubens ist, leuchtet er dennoch hervor und ergreift die Person, welche auch dem Tode gebieten kann. Denn daß sie rufen: »Herr, hilf!« das sind des Glaubens Worte. Wo der Glaube stark gewesen wäre, würden sie sich vor dem Wind und Meer nicht entsetzt sondern gedacht haben: Wir wollen vor dem Wind und Meer wohl bestehen bleiben, gleichwie Jonas mitten im Meer, ja, in des Walfisches Bauch erhalten geblieben ist. Denn wir haben den Herrn des Meers bei uns, und dieser unser Herr kann uns helfen und uns erretten, nicht allein über dem Meer, sondern auch in und unter dem Meer.

Darum ists eine große Gnade Gottes, wenn wir auch einen schwachen Glauben haben, daß wir nicht unter dem Haufen derer sind, die an Gottes Hilfe verzweifeln. Der freie Wille sieht al­lein auf das Gegenwärtige, der Glaube aber sieht auf das Künftige. Er hat wohl das Gegenteil allen Trostes, allen Heils und aller Freude vor sich, er sieht des Todes Zähne und der Hölle Rachen, dennoch ermannt er sich und hält sich an den Trost, es könne ihm noch geholfen werden, gleichwie hier die Jünger sich an des Herrn Hilfe und Trost halten. Es ist beides beisammen, das »Wir verderben« und »Herr, hilf!«. Aber das »Herr, hilf!« gewinnt endlich und behält den Sieg.

Das ist des Glaubens Kunst, von welcher sich jedermann dünken läßt, er könne sie sehr wohl. Wer sie aber recht kann und erfahren hat, dem will in der Not alles zu enge werden. Umge­kehrt sind die, welche sich dünken lassen, sie haben einen starken Glauben, wohl kühne, freche, stolze Geister, solang das Meer stille und das Wetter schön ist. Wenns aber mit ihnen Dreck regnen und übel zugehen will, da fällt Mut, Trost und alles hinweg, und sie wollen schlechthin verzweifeln. Das ist der herrliche freie Wille.

Das dritte Stück des heutigen Evangeliums handelt von des Herrn Christi Person. Diese Geschichte beschreibt Christus so, daß er im Schiff geschlafen habe. Solches geschieht noch heutigen Tages, daß der Herr sich gegen seine Christen stellt, als sähe er uns nicht und wüßte nicht um unsere Anfechtung, frage auch nichts danach, ja als hätte er uns ganz aus der Acht gelassen; wie er hier im Schiff tut: er liegt und schläft, bekümmert sich gar nicht um das Wetter, für seine Jünger noch für das Schiff. Aber er ist doch mit im Schiff, ob er gleich schläft. Ob es schon vor der Vernunft scheint, als sähe und hörete Christus das Ungewitter, Wind und Meer nicht, sieht und hört ers dennoch. Deshalb sollen wir ein allgemeines Sprichwort draus machen: Christus ist dennoch im Schiff, wenn er gleich schläft.

Das sind nun die Anfechtungen, die immer dazukommen, daß unser lieber Herr Christus die Wellen über das Schifflein läßt, das ist, er läßt den Teufel und die Welt wider die Christen toben, so daß man besorgt sein muß, es werde ganz und gar zu Boden gehen. Wir fühlen ihre Wellen, Zorn und Macht, und der Teufel schlägt auch mit zu. Da sprechen unsere Weltweisen: Was tun wir nun? Wir sitzen im Schiff und sehen nichts vor uns als den sicheren Tod. Dazu sitzt der Herr still und läßt sich nicht merken, daß er uns helfen wolle.

Aber da müssen wir uns ermannen und denken, es habe noch nicht Not. Denn er, der Herr, ist auch bei uns im Schiff. Ob er schon schläft, das ist, sich stellt, als sehe er uns nicht, so sollen wir uns doch stellen, daß wir ihn sehen, ihm glauben und ihn dafür halten, daß er ein Herr über Kaiser, Türke, Papst, Teufel, Pest und alles Unglück sei, welcher dem allen wehren könne.

Ebenso sollen wir auch in unserer eigenen Gefahr und Anfechtung tun, die einem jeglichen insbesondere begegnet. Denn ein jeglicher, der ein Christ ist, findet bei sich selbst, daß der Teufel auf ihn einschlägt, so wie die Wellen in das Schiff schlugen. Wenn nun solche Anfech­tungen kommen und der Teufel dir deine Sünde vorhält und dich mit dem Zorn Gottes schreckt und dir die ewige Verdammnis androht, so verzweifle nicht, sondern glaube fest, daß Christus bei dir im Schiff sei, welcher, ob er schon schläft, dich gewiß erhören und retten wer­de, wenn du zu ihm schreist und ihn anrufst. Hilft er nicht sofort, wenn das Unglück anfängt, das schadet nicht. Halte nur fest und wanke nicht, sondern glaube gewiß, Christus sei bei dir im Schiff. Denn er hilft zu seiner Zeit; unterdes mußt du herhalten und den Teufel sein Werk treiben lassen, auf daß du des Glaubens Kraft erkennest, wie er kämpft und sich wehret, und auch damit du sehest, was der freie Wille vermöge, wenn Christus die Hand abzieht und nicht hilft. Das heißt nun den Glauben geübt und gestärkt, wenn man in Anfechtung fest und bis zu Ende steht und es fröhlich und getrost auf Christus wagt, die Not sei so groß, wie sie immer wolle.

Anfechtung müssen wir haben, aber dennoch muß auch Glück und Heil bei uns sein. Denn diese Person, Christus, wahrhaftiger Gott und Mensch, hilft in aller Gefahr und Not allen, die an ihn glauben und ihn anrufen. Diesen Trost, Schutz und Schirm haben alle Gläubigen. Wenn sie schon viel drüber leiden und wagen müssen, da kommt es nicht drauf an. Haben doch die Gottlosen auch ihre Widersacher und Feinde, wenn es ihnen schon in der Welt besser als den Gläubigen geht. Warum wollten wir denn nicht in unsern Trübsalen und Leiden Ge­duld haben? Wennschon unsere Trübsale größer sind als der Gottlosen Leiden, so haben wir auch im Vergleich dazu größere Gaben und Güter als sie. Der Teufel setzt ihnen nicht so hart zu wie uns Christen. Aber was haben sie denn mehr? Sie haben doch ein böses Gewissen und müssen endlich die ewige Verdammnis erwarten.

Das vierte Stück des heutigen Evangeliums ist von der Frucht, die aus dem Glauben entsteht, nämlich daß auch andere solches Wunderwerk wahrnehmen, sich bekehren, verwundern und sprechen: »Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam sind?« Diese haben ihn bisher vielleicht für einen schlichten Zimmergesellen angesehen und für Josephs Sohn und einfachen Menschen gehalten und nicht gewußt noch geglaubt, daß man bei ihm in Todesnö­ten Hilfe suchen und finden soll. Aber jetzt lernen sie ihn kennen, daß er da der höchste und beste Nothelfer sei, wo sonst kein Mensch helfen kann. So geht es allewege, daß die Anfech­tung, je größer sie ist, desto größere Frucht mitbringt. Darum sind die Anfechtungen den Chri­sten sehr nützlich und notwendig.

So ist nun dieses Evangelium ein treffliches, schönes Evangelium für die, die mit Ernst Chri­sten sein wollen, daraus wir lernen sollen, wenn das Ungewitter angeht, daß Christus nicht allein da sein und uns heraushelfen wolle, sondern daß auch großer Nutzen und herrliche Frucht daraus folgen werde, daß wirs nicht wünschen sollten, wir hättens denn versucht und durch eigene Erfahrung des Worts und Glaubens Kraft und Tugend erlernt. Es heißt, wie der 50. Psalm (V. 15) sagt: »Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen«, und der Psalm 91, 15: »Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören, ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen«. Willst du ein Christ sein, so mußt du in die Not hineinkommen. Wenn du aber in der Not Christus anrufst, so will er dich erhö­ren und herausreißen mit Frucht und großer Ehre, und du sollst hier von dem, was du brau­chest, genug haben und hernach das ewige Leben. Es tut aber dem alten Adam von Herzen wehe, er begibt sich nicht gern in Wind und Wellen aufs Meer, wollte lieber davon wegblei­ben. Aber es wird nichts anderes draus: in die Not müssen wir zuerst kommen, danach folgt das Erretten und Preisen.

Solches verleihe uns allen unser lieber Vater im Himmel um Christi willen durch seinen Heiligen Geist, Amen.

Aus der Rörer- bzw. Lauterbach-Nachschrift der Predigt vom 29. 1. 1531 (WA 34, I, 126-136).

Hier Luthers Predigt als pdf.

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