„Ist nicht im Grunde Ihre ganze Kirche aufgebaut auf der Angst und Flucht vor dem Heiligen Geist?“ Karl Barths Anfrage an Joseph Ratzinger von 1967

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Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) 1965

Von Eberhard Busch stammt folgender Bericht über Karl Barths provokative Anfrage an Josef Ratzinger. Im Februar 1967 hatte Barth Ratzinger, damals Professor in Tübingen, in sein Seminar nach Basel eingeladen. Nach dessen Vortrag ergriff Barth in der Aussprache das Wort: Ratzinger habe „jetzt so Wunderbares von der Kirche erzählt – nun, das ein wenig unter Zurückstellung des papalistischen Denkens, aber trotzdem von der Kirche. ‚Warum ist bis jetzt noch nicht explizit, nicht entscheidend die Rede vom Heiligen Geist gewesen? Und warum spielt die Tradition, auch wenn sie jetzt neu verstanden ist, immer noch eine so tragende Rolle für die katholische Kirche? Kommt das etwa aus einer Angst vor dem Heiligen Geist? Lieber Herr Ratzinger, ich frage nur, aber ich frage Sie: Ist nicht im Grunde Ihre ganze Kirche aufgebaut auf der Angst und Flucht vor dem Heiligen Geist?’ Dieser fast leidenschaftlich vorgetragene Einwand brachte den katholischen Gelehrten nun doch etwas ins Zögern und er war immerhin groß und getroffen genug, ihn jetzt nicht einfach zu widerlegen.“

Eberhard Busch, Gelebte theologische Existenz bei Karl Barth, in: H. Köckert/W. Krötke (Hrsg.), Theologie als Christologie. Zum Werk und Leben Karl Barths, Berlin: Evangelische Verlagsanstalt, 1988, S. 170-192, hier 180f.

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