„Noch immer Wesen, dennoch grenzenlos, fährt Gottes Sohn empor zu Gottes Schoß“ – aus Albrecht Haushoffers Moabiter Sonette (1945)

Matthias Grünewald
Matthias Grünewald, Auferstehung Jesu, Isenheimer Altar (um 1513, Colmar, Museum Unterlinden)

Albrecht Georg Haushofer (* 7. Januar 1903 in München; † 23. April 1945 in Berlin) war ein deutscher Geograph, Schriftsteller und zuletzt auch Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 suchte Albrecht Haushofer Unterschlupf auf einem Bauernhof in der Nähe des Anwesens seiner Eltern bei Garmisch-Partenkirchen. Bei einer Hausdurchsuchung wurde er am 7. Dezember 1944 in seinem Versteck auf dem Heuboden entdeckt, verhaftet und im Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin-Moabit eingesperrt. Hier entstanden seine Moabiter Sonette, worin er sich unter anderem der Auferstehung Christi annimmt:

Qui Resurrexit

In tausend Bildern hab ich Ihn gesehn.
Als Weltenrichter, zornig und erhaben,
als Dorngekrönten, als Madonnenknaben,  –
doch keines wollte ganz in mir bestehn.

Jetzt fühl‘ ich, daß nur eines gültig ist:
Wie sich dem Meister Mathis Er gezeigt —
doch nicht der Fahle, der zum Tod sich neigt –
der Lichtumflossne: dieser ist der Christ.

Nicht Menschenkunst allein hat so gemalt:
Dem Grabesdunkel schwerelos entschwebend,
das Haupt mit goldnem Leuchten rings umwebend.

Von allen Farben geisterhaft umstrahlt,
noch immer Wesen, dennoch grenzenlos,
fährt Gottes Sohn empor zu Gottes Schoß.

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