Dietrich Bonhoeffer in seiner Ethik: „Das Wort der Kirche an die Welt kann kein anderes sein als das Wort Gottes an die Welt. Dieses heißt: Jesus Christus und das Heil in diesem Namen.“

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Dietrich Bonhoeffer (Aufnahme 1942)

In Dietrich Bonhoeffers Ethik-Fragment findet sich ein Abschnitt „Über die Möglichkeit des Wortes der Kirche an die Welt“, den dieser wohl in der zweiten Jahreshälfte 1942 verfasst hat. Es geht darin um die Frage politischer Äußerungen im Namen der Kirche. Für Bonhoeffer gibt es dazu ein klares Kriterium: Politische Stellungnahmen der Kirche müssen Christusansagen sein. Keine vermeintlich höherwertigen Ideen von Gerechtigkeit und Leben können kirchlich geltend gemacht werden, sondern allein die Christuswirklichkeit, wie sie in der Heiligen Schrift bezeugt ist:

Über die Möglichkeit des Wortes der Kirche an die Welt

Von Dietrich Bonhoeffer

1.) Was steckt hinter dem in der ganzen Christenheit der Welt erwachenden Verlangen nach dem lösenden Wort der Kirche an die Welt? Im wesentlichen folgende Gedanken: Die sozia­len, wirtschaftlichen, politischen etc. Probleme der Welt sind uns über den Kopf gewachsen, die vorhandenen ideologischen und praktischen Lösungsangebote versagen sämtlich; die Welt des technischen Fortschrittes ist damit an ihre Grenze gekommen; der Wagen ist in den Schlamm geraten[,] die Räder drehen sich mit Höchstgeschwindigkeit und können den Wagen doch nicht herausziehen; die Probleme sind in ihrer Breite und ihrer Art so allgemein mensch­lich, daß eine ganz grundsätzliche Hilfe nötig geworden ist; die Kirche hat angesichts des so­zialen, ökonomischen, politischen, sexuellen, pädagogischen Problems bisher [355] versagt; sie hat durch eigene Schuld ein Ärgernis gegeben, das die Menschen daran hindert, ihrer Bot­schaft zu glauben. „Weh dem, der eins dieser Kleinen ärgert …“ Mt 18, 6. Die dogmatisch korrekte Ausrichtung der christlichen Verkündigung genügt nicht; eine allg[emeiner] eth[ischer] Prinzipien auch nicht; konkrete Weisung in der konkreten Situation ist nötig. Die geistigen Kräfte, auf denen die Kirche ruht, sind noch nicht ausgeschöpft. Die Christen der Welt sind einander nähergerückt denn je. Gemeinsam müssen sie an die Aufgabe gehen, das Wort der Kirche zu sagen. Kurz: die Kirche soll Lösungen für die ungelösten Fragen der Welt bieten und damit ihren Auftrag erfüllen und ihre Autorität wiederherstellen. Wir erken­nen sofort, daß hier richtige und verkehrte Motive eng miteinander verwoben sind.

2.) Wir fragen: Ist es richtig, daß es Aufgabe der Kirche ist, der Welt heute Lösungen für ihre Fragen anzubieten? Gibt es überhaupt christliche Lösungen für weltliche Probleme? Es kommt offenbar darauf an, was gemeint ist: meint man, daß das Christentum für alle sozialen, politischen Fragen der Welt eine Antwort hätte, sodaß man nur auf diese christlichen Antwor­ten zu hören hätte, um die Welt in Ordnung zu bringen, so ist das offenbar ein Irrtum. Meint man, daß es vom Christentum her zu den weltlichen Dingen etwas Bestimmtes zu sagen gibt, so ist das richtig. Der Gedanke, daß die Kirche über die christliche [356] Lösung aller weltli­chen Probleme prinzipiell verfüge und sich nur noch nicht genug Mühe darum gegeben habe, ist besonders im angelsächsischen Denken verbreitet. Dazu ist zu sagen:

a.) Jesus beschäftigt sich so gut wie garnicht mit der Lösung weltlicher Probleme; wo er dazu aufgefordert wird, weicht er merkwürdig aus (Mt 22, 15 Luk 12, 13) wie er überhaupt auf Fra­gen der Menschen fast nie direkt, sondern von einer ganz anderen Ebene her antwortet. Sein Wort ist nicht Antwort auf menschliche Fragen und Probleme, sondern die göttliche Antwort auf die göttliche Frage an den Menschen. Sein Wort ist wesentlich nicht von unten, sondern von oben her bestimmt, nicht Lösung, sondern Erlösung. Nicht aus der Entzweiung mensch­licher Problematik des Guten und des Bösen, sondern aus der vollständigen Einheit des Soh­nes mit dem Willen des Vaters kommt sein Wort. Er steht jenseits aller menschlichen Proble­matik. Das muß zuerst einmal verstanden sein. Weil Jesus statt der Lösung von Problemen die Erlösung des Menschen bringt, darum bringt er aber auch wirklich die Lösung aller mensch­lichen Probleme – „es wird alles zufallen“ – nur von ganz anderer Warte her.

b.) Wer sagt uns eigentlich daß alle weltlichen Probleme gelöst werden sollen und können? Vielleicht ist Gott die Ungelöstheit dieser Probleme wichtiger als ihre Lösung, nämlich als Hinweis auf den Sündenfall des Menschen und auf Gottes Erlösung. Vielleicht sind die Prob­leme der Menschen so verstrickt, so falsch gestellt, daß sie eben wirklich nicht zu lösen [357] sind. (Das Problem von Armen und Reichen wird sich eben nie anders lösen lassen, als indem es ungelöst bleibt.)

c.) Der gegen irgend[welche] weltlichen Übel organisierte Kampf der Kirchen, „campaigne“, „crusade“ –, – eine Fortsetzung des mittelalterlichen Kreuzzugsgedankens, der im Luthertum fast vollständig überwunden worden ist – gehört in den angelsächsischen Ländern zu den cha­rakteristischen Merkmalen kirchlichen Lebens. – Beispiele: Sklaverei, Prohibition, Völker­bund – aber gerade diese Beispiele zeigen zugleich die Krisis solcher „Kreuzzüge“ – die Auf­hebung der Sklaverei geschah etwa gleichzeitig mit der Entstehung des englischen Industrie­proletariats, (man könnte sagen: die Welt läßt sich nicht um ihr Recht bringen), die Prohibi­tion, hauptsächlich von den Methodisten erzwungen, führte zu schlimmeren Erfahrungen als die Zeit vorher, sodaß die Methodisten selbst für ihre Abschaffung eintraten (eine entschei­dende Erfahrung für die amerikanischen Kirchen), der Völkerbund, der die Überwindung des Nationalismus zum Ziel hatte, führte zu dessen äußerster Verschärfung. [358] Solche Erfah­rungen geben für die Frage, wieweit die Kirche zur Lösung weltlicher Probleme berufen sei, ernstlich zu denken. „Gott in der Faust“ Hiob 12, 6.

[d]. Das Denken, das von den menschlichen Problemen ausgeht und von dorther nach Lö­sun­gen fragt, muß überwunden werden, es ist unbiblisch. Nicht von der Welt zu Gott, sondern von Gott zur Welt geht der Weg Jesu Christi und daher der Weg alles christlichen Denkens. Das bedeutet, daß das Evangelium sein Wesen nicht darin hat, weltliche Probleme zu lösen und daß darin auch nicht die wesentliche Aufgabe der Kirche bestehen kann. Daraus folgt nun allerdings nicht, daß die Kirche in dieser Hinsicht garkeine Aufgabe hätte. Welches ihre legi­time Aufgabe ist aber erkennen wir erst, wenn wir den rechten Ansatzpunkt gefunden haben.

3.) Das Wort der Kirche an die Welt kann kein anderes sein als das Wort Gottes an die Welt. Dieses heißt: Jesus Christus und das Heil in diesem Namen. In Jesus Christus ist Gottes Ver­hältnis zur Welt bestimmt, ein anderes Verhältnis Gottes zur Welt außer durch Jesus Christus kennen wir nicht. Daher gibt es auch für die Kirche kein anderes Verhältnis zur Welt als durch Jesus Christus; das heißt nicht von einem Naturrecht, Vernunftrecht, allgemeinen Menschen­recht aus, sondern allein vom Evangelium von Jesus Christus aus ergibt sich das richtige Ver­hältnis der Kirche zur Welt.

a. Das Wort der Kirche an die Welt ist das Wort vom Kommen Gottes ins Fleisch, von der Liebe Gottes zur Welt in der Sendung seines Sohnes, vom Gericht Gottes über den Unglau­ben; das Wort der Kirche ist der Ruf zur Umkehr, zum Glauben [359] an Gottes Liebe in Christus, zum sich-bereiten auf die Wiederkunft Christi, auf das kommende Reich Gottes. Es ist also Wort der Erlösung für alle Menschen.

b. Das Wort von der Liebe Gottes zur Welt stellt die Gemeinde in ein verantwortliches Ver­hältnis zur Welt. In Wort und Handeln hat die Gemeinde der Welt den Glauben an Christus zu bezeugen, allem Ärgernis zu wehren und dem Evangelium in der Welt Raum zu schaffen. Wo diese Verantwortung verleugnet wird, wird Christus verleugnet; denn es ist die Verantwor­tung, die der Liebe Gottes zur Welt entspricht.

c. Die Gemeinde erkennt und bezeugt Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus als Gesetz und als Evangelium. Beides läßt sich niemals trennen, aber auch niemals identificieren. Es gibt keine Gesetzespredigt ohne Evangelium und keine Evangeliumspredigt ohne Gesetz. Es ist also keinesfalls so, daß das Gesetz der Welt, das Evangelium aber der Gemeinde gelte, viel­mehr gilt Gesetz und Evangelium in gleicher Weise der Welt und der Gemeinde. Was immer das Wort der Kirche an die Welt sei, es kann nur Gesetz und Evangelium sein.

1.) Damit ist bestritten, daß die Kirche zu der Welt von der Grundlage irgendwelcher mit der Welt gemeinsamer Vernunft- oder Naturrechtlicher Erkenntnisse her sprechen könnte, also unter zeitweiliger Absehung vom Evangelium. Das kann die Kirche der Reformation im Unterschied zur katholischen Kirche nicht,

2.) folgt daraus die Bestreitung einer doppelten kirchlichen Moral, nämlich einer solchen für die Welt und einer solchen für die Gemeinde, einer solchen für die Heiden und einer solchen für die Christen, einer solchen für den Christen im weltlichen Beruf und einer solchen für den homo religiosus.

Das ganze Gesetz und das ganze Evangelium Gottes gehört in gleicher Weise allen Menschen. Der Einwand: die Kirche fordere in der Welt die Aufrechterhaltung der Rechtsordnung, [360] des Eigentums, der Ehre, vom Christen aber den Verzicht auf dies alles, in der Welt müsse Vergeltung und Gewalt, bei den Christen aber Vergebung und Unrechtleiden geübt werden, – dieser Einwand, der auf eine doppelte christliche Moral hinauswill und weit verbreitet ist, geht von einem falschen Verständnis des Wortes Gottes aus. Wenn der Dekalog das Recht auf Leben, Ehe, Eigentum, Ehre des Menschen im Namen Gottes gewahrt wissen will, so bedeu­tet das nicht, daß diese Rechtsordnungen an und für sich einen absoluten göttlichen Wert hät­ten, sondern nur daß in und über ihnen Gott allein geehrt und angebetet sein will. Darum ist die 2. Tafel von der ersten niemals zu trennen. Die Ordnungen sind also nicht eine zweite göttliche Instanz neben dem Gott Jesu Christi, sondern sie sind der Ort, an dem der Gott Jesu Christi sich Gehorsam schafft; nicht um die Ordnungen an sich, sondern um den Glaubensge­horsam in ihnen geht es in Gottes Wort. Wiederum ist der Ruf Jesu, in seiner Nachfolge auf das eigene Recht zu verzichten, Leben, Ehe, Ehre, Eigentum hinzugeben um der Gemein­schaft mit Jesus willen nicht eine Aufstellung einer neuen absoluten Wertetafel – also etwa Selbstverleugnung gegenüber Selbstbehauptung; denn auch im Dekalog geht es nirgends um Selbstbehauptung, sondern allein um Gottes Recht und Ehre; sondern es geht Jesus wie dem Dekalog um den konkreten Gehorsam gegen Gott; dabei kann gerade im Verzicht auf das eigene Recht, Eigentum, Ehre um Gottes willen der wahre Ursprung [361] dieser Gaben, also Gott selbst, höher geehrt werden als im Bestehen auf dem eigenen Recht, das das Recht Got­tes dann leicht verdunkeln könnte. Die Forderung Jesu an den reichen Jüngling, von einem seiner Rechte zu lassen, macht es gerade deutlich, daß sein „Halten der zehn Gebote von Jugend auf“ kein Gehorsam gegen Gott gewesen war, sondern ein Absehen von dem Leben­digen Gott mitten in der Wahrung der sogenannten göttlichen Ordnungen. Dekalog und Berg­predigt sind also nicht zwei verschiedene ethische Ideale, sondern der eine Ruf zum konkreten Gehorsam gegen den Gott und Vater Jesu Christi. Wo im Glauben an Gott die Ordnung des Eigentums bejaht und verantwortet wird, dort geschieht nichts anderes als wo im Glauben an Gott auf das Eigentum Verzicht geleistet wird. Weder der „Kampf ums Recht“ noch der „Ver­zicht auf Recht“ sind an sich etwas, also etwa eigener Gegenstand der kirchlichen Verkündi­gung, aber im Glauben ist das eine wie das andere Unterwerfung unter Gottes alleiniges Recht.

Es gibt also nicht eine doppelte Wertetafel, für die Welt und für die Christen, sondern es ist das eine Glauben und Gehorsam fordernde Wort Gottes, das allen Menschen gilt. Dabei wäre es auch verfehlt, in der Verkündigung an die Welt stärker den Kampf um das Recht, in der Verkündigung an die Gemeinde stärker den Verzicht auf das Recht zu betonen. Beides gilt Welt und Gemeinde. Die Behauptung, mit der Bergpredigt lasse sich nicht regieren, kommt aus einem Mißverständnis der Bergpredigt. Auch eine Staatsführung kann kämpfend und ver­zichtend Gott ehren und nur darum geht es der Verkündigung der Kirche. Es ist niemals die Aufgabe der Kirche dem Staat den natürlichen Selbsterhaltungstrieb zu predigen, sondern allein den Gehorsam gegen das Recht Gottes. Das ist zweierlei. Die Verkündigung der Kirche an die Welt kann immer nur Jesus Christus [362] in Gesetz und Evangelium sein. Die zweite Tafel ist von der ersten nicht zu trennen.

[4]. Indem die Kirche Einzelne und Völker zum Glauben und Gehorsam gegen die Offenba­rung Gottes in Jesus Christus ruft, bezeichnet sie zugleich einen Raum, in dem dieser Glaube und dieser Gehorsam zum mindesten nicht unmöglich gemacht wird, dieser Raum ist durch die zehn Gebote abgesteckt. Wo keine sichtbare Übertretung der 10 Gebote ist, dort ist zum mindesten kein Ärgernis gegeben, das am Glauben hindert. Die Kirche kann zwar nicht eine konkrete irdische Ordnung, die aus dem Glauben an Jesus Christus notwendig folgt, verkün­digen, aber sie kann und muß jeder konkreten Ordnung, die ein Ärgernis für den Glauben an Jesus Christus bedeutet, entgegentreten und dadurch mindestens negativ die Grenzen abste­cken für eine Ordnung, innerhalb deren Jesus Christus geglaubt und Gehorsam geleistet wer­den kann. Diese Grenzen sind in allgemeinster Form im Dekalog gezogen, in concreto werden sie immer neu bezeichnet werden müssen. In allem, was die Kirche zu den Ordnungen der Welt zu sagen hat, kann sie nur Wegbereitend für das Kommen Jesu Christi wirken, wobei das wirkliche Kommen Jesu Christi selbst in dessen eigenster Freiheit und Gnade liegt. Weil Jesus Christus gekommen ist und wieder kommt, darum muß ihm überall in der Welt der Weg be­reitet werden, darum allein also hat es die Kirche auch mit den weltlichen Ordnungen zu tun. Also: allein aus der Christuspredigt folgt das Wort der Kirche über die irdischen Ordnungen, [363] nicht aber gibt es eine eigene, an und für sich gültige Lehre der Kirche über ewige Ord­nungen und Rechte der Natur und der Menschen, die auch unabhängig vom Glauben an Chri­stus Anerkennung fordern könnte. Menschen- und Naturrechte gibt es nur von Christus her, das heißt aus Glauben.

[5].) Die sich hier erhebende Frage, ob wirklich die Welt und die Menschen allein um des Glaubens an Jesus Christus willen da seien, ist in dem Sinne zu bejahen, daß Jesus Christus für die Welt und für den Menschen da war, das heißt daß dort wo alles auf Jesus Christus aus­gerichtet wird, erst die Welt wirklich Welt und der Mensch wirklich Mensch wird, nach Mt 6, 32. Gerade in der Erkenntnis, daß alles Geschaffene um Christi willen da ist und in ihm Be­stand hat (Kol 1, 16 f) ist die Welt und der Mensch erst ganz ernst genommen.

[6].) Unter diesen Voraussetzungen gibt es nun auch ein bestimmtes Interesse der Kirche nicht nur an dem punctum mathematicum des Glaubens, sondern auch an den empirischen Größen wie an der Bildung einer bestimmten Gesinnung in weltlichen Fragen und an bestimmten irdi­schen Zuständen. Es gibt zum Beispiel bestimmte Wirtschafts- oder Sozialgesinnungen und -zustände, die dem Glauben an Christus hinderlich sind, und das heißt auch das Wesen des Menschen und der Welt zerstören. Es ist zum Beispiel die Frage, ob der Kapitalismus oder Sozialismus oder Kollektivismus solche Glaubenhindernde Wirtschaftsgestalten sind. Für die Kirche gibt es hier ein doppeltes Verhalten: sie [wird] einerseits abgrenzend negativ in der Autorität des Wortes Gottes solche Wirtschaftsgesinnungen oder -formen als verwerflich er­klären müssen, die den [364] Glauben an Christus offensichtlich hindern. Andererseits wird sie positiv nicht in der Autorität des Wortes Gottes, sondern nur in der Autorität des verant­wortlichen Rates christlicher Fachmänner ihren Beitrag zu einer Neuordnung geben können. Beide Aufgaben sind streng zu unterscheiden. Diese erste Aufgabe ist die des Amtes, die zweite die der Diakonie, die erste göttlich die zweite irdisch, die erste die des göttlichen Wor­tes, die zweite die des christlichen Lebens. Hier aber gilt: doctrina est coelum, vita est terra (Luther).

[7]. Von hier aus löst sich das vielverhandelte Problem der Eigengesetzlichkeit der weltlichen Ordnungen. Die Betonung der Eigengesetzlichkeit zum Beispiel des Staates hat ihren Sinn gegenüber einer Heteronomie kirchlicher Theokratie; vor Gott aber gibt es keine Eigenge­setzlichkeit, sondern das Gesetz des in Jesus Christus offenbarten Gottes ist das Gesetz aller irdischen Ordnungen. Die Grenzen jeder Eigengesetzlichkeit werden in der kirchlichen Ver­kündigung des Wortes Gottes offenbar, die konkrete Gestalt des göttlichen Gesetzes in Wirt­schaft, Staat etc. muß von denen erkannt und gefunden werden, die verantwortlich in Wirt­schaft und Staat arbeiten. Hier könnte, wenn es nicht mißverständlich wird, von einer relati­ven Eigengesetzlichkeit gesprochen werden.

[8]. Vernunft – Gesetz des Geschaffenen – Seienden

Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Ethik, DBW 6, hrsg. v. Ilse Tödt, Heinz Eduard Tödt, Ernst Feil und Clifford Green, München: Christian Kaiser 1992, S. 354-364.

Hier Bonhoeffers Text als pdf.

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