„So ist die „Fülle Gottes“ das nie erreichbare, darum gerade aber uns immer tiefer, weiter, höher treibende Ziel der Vollkommenheit“ – Iwands Predigtmeditation über Epheser 3,14-21 von 1942

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Ruine der Zisterzienserabtei San Galgano (Bild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay)

Eine umfassende und tiefsinnige Predigtmeditation über Epheser 3,14-21 hatte Hans Joachim Iwand 1942 verfasst., damals noch für den 16. Sonntag nach Trinitatis. Zu Beginn schreibt er:

Man sollte meinen, der Epheserbrief müßte heute uns und unseren Gemeinden besonders naheliegen. Ist doch sein Thema, die Kirche, das auch uns aufgegebene. Und doch stehen wir immer noch vor seinen Toren, vielleicht gerade darum, weil hier von der Kirche so ganz anders geredet wird, als wir erwarten und gewohnt sind. Und wir sollten dies Andersartige nicht umbiegen und umdeuten, wir sollten es in seiner Fremdheit anerkennen und stehen lassen, vielleicht daß dies mit ein Zeichen ist, wie fremd uns doch trotz des vielen Schreibens und Redens von ihr das Wesen der Kirche immer noch ist, der Kirche, die im Credo gemeint ist, von der hier der Eph. redet, der Ekklesia in perpetuum mansura. Denn hier lesen wir, daß die Kirche identisch ist mit dem seit Ewigkeit verborgenen, nun aber geoffenbarten Weltenplan Gottes (1,9f.), daß sic das Mysterium Gottes ist, das setzt erkennbar wird (1,5f.; 3,9f.), daß zu der Erkenntnis der Größe dieses Mysteriums der Geist gehört, der aus der Selbstbezeugung Gottes hervorgeht, der Geist der ewigen Sophia (1,17f.), daß dies keine Erkenntnis ist für jedermann, sondern nur für die, die durch die Gnadenwahl Gottes zum Glauben an Christus gelangt sind (2,7f.) und durch ihn nun mitten drin stehen in der Fülle des neuen Lebens, das damit angebrochen ist (3,19). Für sie aber, für die Heiligen und Erwählten, ist solche Erkenntnis geradezu heilsnot­wendig. Sie bedürfen der erleuchteten Augen des Herzens, um die weltumspannende Weite ihrer neuen Berufung ganz zu ermessen (1,18; 3,18).

Im Schlussteil fasst Iwand zusammen:

Darauf kommt es also dem Epheserbreif an, daß die Weite der Kirche der Weite bzw. Fülle Gottes gemäß sei. Das Fassungsvermögen für diese weite des unter ihnen aufge­brochenen neuen Lebensgesetzes ist Quellgrund für Erkenntnis, Urteil und Tat. Darum kommt alles darauf an, daß die neue Gemeinde Gottes nicht eng bleibt wie die Pharisäer, daß der „Zaun“ weggenommen ist (2,4), daß sie von der in Christus erschienenen Gnade aus das All neu zu fassen und zu erfassen lernen, und zwar in seiner ganzen Tiefe und Höhe, Breite und Länge. Denn gerade so, allumfassend, ist die Gemeinde als der Leib Christi gemeint, von Gott gemeint.

Eins aber bleibt dabei „unfaßlich“, nämlich die Liebe Christi selbst. Sie muß die Erkenntnis überragend bleiben, wenn anders nicht die Gnosis, sondern eben der Glaube das Fundament des neuen Seins bleiben soll. So ist die „Fülle Gottes“ das nie erreichbare, darum gerade aber uns immer tiefer, weiter, höher treibende Ziel der Vollkommenheit, das innere Gesetz des Wachstums, das den Bau bestimmt (2,21).

Haben wir das begriffen, dann können wir in der Tat mit dem Apostel übergehen in den von der Gewißheit der Erhörung getragenen Lobpreis:

Dem aber, der überschwenglich mehr tun kann, als wir bitten und verstehen, nach seiner Kraft, die in uns wirksam ist (in diesem Ist liegt schon die Gewißheit!) – ihm sei Ehre in der Gemeinde und in Christo Jesu für alle Zeiten der Ewigkeiten. Die Doxologie erinnert an Röm. 16,25-27. Die Christenheit weiß, daß Gott seine Heiligen „wunderbar erhört“. Sie weiß aber auch, daß alles, worum sie ihn bittet, wenn anders sie recht darum bittet, seine Ehre, sei­ne Herrlichkeit und seinen Namen zum Ziel haben muß. Nur wenn so Seine Herrlichkeit in der Kirche und in Jesus Christus erkannt, angebetet und verkündigt wird, ist die Kirche Sein Bau und der Glaube an Christus Sein Werk.

Hier die vollständige Predigtmeditation als pdf.

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