„Ein Gott, der sich von uns beweisen ließe, wäre ein Götze“ – Aus Dietrich Bonhoeffers und Franz Hildebrandts „Glaubst du, so hast du“. Versuch eines Lutherischen Katechismus von 1931

Dietrich Bonhoeffer mit Konfirmanden im Harz, 1932
Dietrich Bonhoeffer mit Konfirmanden im Harz, 1932

Zusammen mit seinem Freund Franz Hildebrandt hatte Bonhoeffer 1931 einen kleinen Katechismus für Konfirmanden konzipiert, dessen Titel an eine Kurz-Formulierung des Glaubensbekenntnisses durch Luther 1528 angelehnt ist. Darin heißt es unter anderem:

Fragt Gott wirklich nach mir?

Wer sich allzu fromm dagegen aufspielt, meint nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Denn das ist Gottes Ehre, daß er in Christus zu uns herabkommt, um uns im Geist zu sich zu erheben. Er ist der dreieinige Gott.

Daß Gott uns gehört und wir ihm, sprechen wir aus im Glauben an den Vater: ich glaube an Gott, daß er mein Schöpfer sei.

Darf man Gott seinen Vater nennen?

Es ist der einzige Name, der uns sein Geheimnis verrät. Er kann nicht vergessen, was er geschaffen hat. Wie sollten wir vergessen, daß wir seine Kinder sind.

Widerspricht nicht die Schöpfung der Wissenschaft?

Es ist zweierlei, zu forschen und zu glauben; die Wissenschaft hat ihr volles eigenes Recht. Daß die Erde nicht in sechs Tagen entstanden ist, das weiß jedes Kind. Aber nicht jeder weiß, daß Gott die Welt durch seinen Geist und den Menschen nach seinem Bild schafft.

Warum sieht man das niemandem an?

Es klingt uns wahrhaftig fremd. Die Dämonen der Welt, Geld, Macht, Trieb rauben uns Got­tes Licht, so daß wir sterben müssen. Gottes Ordnungen sind zerstört. Das tut unser Unglaube, der die Freiheit gegen Gott mißbraucht und uns zu Knechten unserer Götzen macht.

Wie kann ein gerechter Gott so viel Unrecht zulassen?

Die Katastrophen der Natur und des Menschen bringen unsere Weisheit zum Schweigen. Wo Gottes gnädiger Wille sich uns gänzlich verbirgt, kann ihn doch unser Wille nicht richten. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

Was soll ich dann in der Welt anfangen?

Das, was dein Beruf dir zu tun gibt. Gott hat jeden von uns zu seiner Zeit in seine Arbeit berufen – das ist sein Gesetz. Und wir sind ihm Gehorsam schuldig, bis er uns abruft.

Gibt es im Beruf kein Unrecht?

Allerdings nimmt heute jeder, der verdient, dem andern das Brot. Arbeit wird zum Fluch, wo unsere Macht über die Dinge sich verkehrt zur Macht der Dinge über uns. Wer das weiß, der wird demütig und bittet Gott, daß er ihn wieder fröhlich mache in seiner Arbeit.

Wie darf der Christ Eigentum haben?

Er wäre wohl oft froh, er hätte es nicht. Er kennt Macht und List des Geldes, aber er will sich damit sorgen für den andern. So soll er alle Dinge haben, als hätte er sie nicht.

Hier der vollständige Text des Katechismus.

1 Kommentar

  1. Der Titel verspricht, was der Textauszug nicht hält.
    Ich habe jedoch Jochen Teuffel bisher nicht dialogbereit erlebt.

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