SEINE Stimme – kein Wahnsinn. Abrahams Rechenschaft über die Bindung Isaaks (Genesis 22,1-19)

Sacrifice_Abraham
Rembrandt – Die Opferung Isaaks (1655)

Was konnte er schon vorbringen, als er mit dem Vorwurf der versuchten Tötung seines Sohnes konfrontiert worden war. Gehorsam gegenüber einer göttlichen Stimme – ist das eine Begründung? „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar!“ (Genesis 22,1) Was für eine Ausgeburt religiöser Wahnvorstellungen – paranoide Schizophrenie -, aber der Delinquent vermag keine Einsicht in Sachen eigene Psychose zu zeigen; er erzählt vielmehr, wie er selbst bereits Jahrzehnte zuvor – zusammen mit seiner Frau – dieser Stimme Folge geleistet hat: „Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.“ (Gen 12,1-2)

Und er weiß davon zu erzählen, wie er sich im Land Kanaan mit dieser Stimme auseinandersetzte: „Mein HErr HERR, was kannst du mir geben? Ich gehe kinderlos dahin und Erbe meines Hauses ist Eliëser aus Damaskus.“ (Gen 15,2) Worauf er SEINE Zusage erhalten habe: „Nicht er wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein. Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! So zahlreich werden deine Nachkommen sein.“ (Gen 15,4-5)

Jahrelang habe ihn diese Sohneszusage bewegt. In seinem von der Magd Hagar geborenen Sohn Ismael habe sie sich nicht erfüllt. Die Verheißung sei der Geburt durch seine Frau Sara vorbehalten geblieben. So habe es die Stimme vorgesehen: „Deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Isaak geben.“ (Gen 17,19)

Das alles habe Abraham über die Jahre hinweg nur zu hören bekommen, bevor es dann in seinem hundertsten Lebensjahr zu einer konkreten Begegnung gekommen sei. In Gestalt dreier Männer habe sich die Stimme noch einmal an ihn gewandt und ihm und seiner Frau die Geburt noch vor Jahresfrist definitiv angekündigt. Auf das ungläubige Lachen seiner 90jährigen Ehefrau habe die Stimme erwidert: „Ist denn beim HERRN etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben.“ (Gen 18,14)

Und in der Tat sei ihnen beiden der Sohn Isaak fristgemäß geboren worden. Damals habe seine Frau ihre eigenen Worte für diese wundersame Geburt gefunden: „Gott ließ mich lachen; jeder, der davon hört, wird mir zulachen. Wer, sagte sie, hätte Abraham zu sagen gewagt, Sara werde noch Kinder stillen? Und nun habe ich ihm noch in seinem Alter einen Sohn geboren.“ (Gen 21,6-7)

Aber wie könne er, Abraham, nach dieser Vorgeschichte dann seinen eigenen Sohn haben töten wollen? Töten, davon sei für ihn keine Rede gewesen, man möge doch seine beiden Knechte fragen. An dem Berg, der für das Opfer ausersehen sei, habe er diese mit dem Esel zurückge­lassen und ihnen gesagt: „Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dort­hin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren.“ (Gen 22,5) Und als der eigene Sohn im Aufstieg auf das fehlende Opfertier hingewiesen hat, habe er ihm geant­wortet: „Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn.“ (22,8)

Warum habe er dann oben auf dem Berg seinen Sohn gebunden und auf den Altar mit dem Brandholz gelegt, weshalb das Messer erhoben in seiner Hand, um den Knaben zu schlachten? Das kann doch nur eine Tötungsabsicht gewesen sein. Aber da war doch die Stimme, SEINE Stimme, sie habe ihn getroffen und Einhalt gerufen: „Abraham, Abraham! Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.“ (Gen 22,11f) SEIN Blick auf das Geschehen habe schon längst den Widder hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen als Opfer ersehen, so dass für ihn, Abraham dieser Ort der Vorsehung nur heißen konnte: „Der HERR sieht.“ (V 14)

Im Nachhinein mag es wohl vorsehentlich heißen „Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen.“ Aber wie habe er wissen können, dass sein Horchen auf diese Stimme nicht zur Tötung seines eigenen Sohnes führen würde? Da war doch SEINE Bundeszusage dem Opferauftrag vorangegangen: „Ich werde meinen Bund mit ihm, Isaak, aufrichten als einen ewigen Bund für seine Nachkommen nach ihm.“ (Gen 17,19) Dieser Zusage habe er den ganzen dreitägigen Opfergang lang geglaubt. Was ER Abraham verheißen habe, werde ER nicht in einem menschenmöglichen Opfer zurücknehmen und SICH damit selbst untreu werden.

Hier der Text als pdf.

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