„Versündi­gen wir uns gegen das Volk, so sündigen wir gegen Gott“ – Werner Elerts Lehrverirrungen in seinem Brief an einen unbekannten Pfarrer vom 19. August 1944

Werner Elert
Werner Elert (1885-1954)

In welche völkischen Verirrungen die Lehrunterscheidung von Gesetz und Evangelium führen kann, so sie nicht an die Heilige Schrift rückgebunden ist, zeigt sich in Werner Elerts Brief an einen unbekannten Pfarrer vom 19. August 1944. Da wird dann sogar der Kriegstod der eigenen Söhne in eine gotterbärmliche Sinnstiftung hineingenommen:

Sie sagen nun freilich, Luther verdanke sein völkisches Bewußtsein nicht dem Evangelium. Vollkommen richtig! Das Evangelium hat ihm auch nicht erst sein Verhältnis zu seinem Vater oder zu seinen Kindern „geoffenbart“. Es hat dabei eine ganz andere Funktion gehabt. Es hat ihm – das ist sein neues Verständnis im Unterschied vom mittelalterli­chen und heute römi­schen – gelehrt, sein Volk als den Raum zu verste­hen, in dem – nicht neben dem – die abso­lute Verpflichtung gegenüber Gott zu erfüllen ist. Die Kirche hat keinen sakralen Raum neben der Volksgemeinschaft zu beanspruchen. Erst durch die Beziehung auf Gott ist ein völkisches Ethos möglich geworden, denn nur dadurch wird unse­re Verpflichtung zu einer ewigen Ver­pflichtung.

Dafür haben freilich die dialektischen Theologen kein Verständnis, weil sie Gott nur im Ge­gensatz zur Welt, den Schöpfer nur als Gegner seiner Kreaturen kennen. Demgegenüber ist uns die kreatürliche Welt, weil sie Gottes Schöpfung ist, heilig. Verdanken wir alles, was wir in irdi­scher Hinsicht sind und haben, unserem Volk, so verdanken wir es ebendamit unsrem Schöpfer. Unsere Bindung an unser Volk wird damit nicht kleiner sondern größer. Versündi­gen wir uns gegen das Volk, so sündigen wir gegen Gott. Gewinnen wir umgekehrt aus der Vergebung Freudigkeit zum Dienst und Opfer, so können wir beides nur ausüben in – nicht ne­ben – unsrem Volk. Diese ethische Bindung an unser Volk entspricht genau der blut­mäßigen nur mit dem Unterschied, daß sie dem mit klarem Wissen an Gott Gebundenen un­verbrüchlich gilt und als Gnade bejaht wird, während die blutmäßige als solche unbewußt ist und, wie die Er­fahrung lehrt, oft unter Zuhilfenahme von egoistischen Motiven aktuali­siert werden kann.

Was ich bisher sagte, ist nicht eine Gedankenkonstruktion, sondern Jahrhundertelang im deut­schen Volk durchlebt und bewährt worden. Das Luthertum hat als Glaubenskern unseres Vol­kes seine völkische Erpro­bung ausnahmslos bestanden. Die Behauptung, das völkische Ethos könnte durch irgend einen anderen Glauben eine höhere Bewährung er­langen, erkläre ich als eine Beleidigung meiner Väter und meiner Söhne. Die Könige von Preußen und nachmals das Deutsche Reich haben seit 250 Jahren keinen Krieg geführt, in dem nicht ein Elert mitgefoch­ten hätte. Viele haben dabei geblutet oder sind geblieben. Mein älterer Sohn fiel 1940 als akti­ver Offizier in Frankreich. Der jüngere wird seit dem 24.7.44 bei Jaroslau am San vermißt. Er war Schwadronsführer und das letzte, was von ihm gesehen wurde, war, daß er sich in härte­stem Nahkampf mit Haufen von Russen herumschoß, denen er schwere Verluste zufügte. Ich nehme an, daß er dabei gefallen ist. Meine Väter wie meine Söhne waren überzeugte Christen. Hätten sie ihr Ethos nur aus irgend einer „Schulung“ bezogen, so wäre ich bei meinen Söhnen nicht sicher gewesen, wie sie sich schlagen und wie sie sterben wür­den. Ich schreibe diese persönlichen Dinge in Erwiderung Ihrer Äuße­rung über das Gebet christlicher Mütter. Weil sie Christen waren, wußte ich, daß sie den Tod nicht fürchteten und daß sie nicht im Stroh­feuer ir­gendeines „Fanatismus“ oder im Stumpfsinn der Masse sondern mit freudigem Wissen Leib und Leben für die Existenz und Ehre ihres Volkes in die Schanze schlagen würden. Ihre Tagebücher beweisen es.

Hier der vollständige Brief Elerts als pdf.

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