„dass nicht die Wolken und Wetter mit ihrer Finsternis den Sieg behalten, sondern du mit deinem schönen Lichte obsiegest und Oberhand behaltest“ – Martin Luthers Auslegungen des aaronitischen Segens (4Mose 6,22-27) von 1532

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Der Segen, so man nach der Messe spricht über das Volk, aus dem vierten Buch Mose, Kapitel 6“ heißt die Schrift Martin Luthers, die 1532 in Wittenberg gedruckt worden ist (WA 30 III, 574-582 ). In ihr legt er den aaorinitschen Segen (Num 6,22-27) aus, den Luther ja in seiner Formula missae von 1523 bzw. in seiner Deutschen Messe von 1526 als gottesdienstlicher Entlass-Segen vorgesehen hatte. Mir ist kein Abdruck dieser Schrift in einer der neueren Ausgaben von Luthers Werke bekannt. So folgt der Text Dr. Martin Luthers Werke in einer das Bedürfniß der Zeit berücksichtigenden Auswahl, 2. Abtheilung: Bibelerklärung, Hamburg: Perthes 21827, S. 215-221:

Und hier müssen wir abermal Ebräisch reden lernen; denn es lautet auf Deutsch nichts, wenn ich spreche: Der Herr erhebe sein Angesicht über dich. Und man kann es doch nicht wohl Deutsch geben. Denn die Meynung soll die seyn: Wenn Gott sein Angesicht über uns erleuch­ten oder scheinen lässet, so machen doch die Anfechtung und Verfolgung des Teufels, der Welt und unsers Fleisches ein solch Ungewitter in unsem Hertzen, daß uns düncket, das liebe Licht des theuren göttlichen Worts wolle untergehen und uns im Finstern lassen.

Gleich als wenn die Sonne wol hübsch und fein aufgehet, fröhlich scheint und lieblich leuch­tet, und doch ein Gewölcke und Ungewitter sich wider sie erhebet und ihr den Schein nimmt, daß man keine Sonne mehr siehet, und ist, als wolle sie versincken und sich das Ungewitter überwinden und unterdrücken lassen, daß man wol zur Sonne sagen mag: Halte veste, liebe Sonne, und laß dich die Wolcken und Wetter nicht unterdrücken, oder den Tag zur Nacht machen, sondern erhebe dein schönes Licht über alle Wolcken und Wetter und erhalte uns den Tag, daß nicht die Wolcken und Wetter mit ihrem Finsterniß den Sieg behalten, sondern du mit deinem schönen Lichte obsiegest und Oberhand behaltest. Also hier auch will dieser Segen wünschen, daß Gott der Herr das Licht seines Worts über uns erheben wollte und also darüber halten, daß es höher und stärcker in unserm Hertzen leuchte, denn alle Anfechtung des Teufels, Todes und der Sünden, Verzweifeln, Verzagen, Erschrecken und alles Unglück seyn kann. Denn wo er das nicht thut, so ist uns der Teufel mit seinem Wetter und Wolcken zu mächtig, und verfinstert und verdunckelt uns das liebe angefangene Licht seines Worts und bringet uns so jämmerlich darum, daß es hernach ärger mit uns wird, denn es vor je gewesen ist, wie wir täglich an denen sehen und erfahren, die vom Worte fallen, durch Gewalt gedrungen, oder durch Ketzerey verführet.

Hier der vollständige Text „Der Segen, so man nach der Messe spricht über das Volk“ als pdf.

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