„Wir Menschen segnen Gott. Das Benediktus geht nicht nur von Gott auf uns zu, sondern in der Kraft unserer Wortes geben wir ihm den Segen zurück“ – Eugen Rosenstock-Huessy

Eugen_Rosenstock-Huessy
Eugen Rosenstock-Huessy (1888-1973)

In ihrem Buch „Theologie des Segens“ hat Magdalene Frettöh darauf hingewiesen, dass in der Bibel ein wechselseitiges Segnen zwischen Gott und Mensch zur Sprache kommt (S. 384-404) . Sie verweist dazu auf Eugen Rosenstock-Huessy, der in seinem Werk „Die Sprache des Menschengeschlechts“ Folgendes schreibt:

„Das Geheimnis des Alten Testaments ist in den Psalmen am deutlichsten ausgesprochen, wo dasselbe Wort Segen [berākā] von Gott auf den Menschen ergeht und von dem Menschen, dem Ebenbilde des Schöpfers, auf Gott. Geheimnisvoll und ungeheuerlich, mögen Sie sagen, ist die Versuch, den Menschen zu vergöttlichen, aber es steht wirklich in den Psalmen, auch in der genauesten Übersetzung von Martin Buber, dass das Volk und der Beter Gott segnen, so wie er sie segnet.

Hören Sie den 145. Psalm: »Aller Augen warten auf dich, / ihre Nahrung gibst du ihnen zu ihrer Frist, / der du deine Hand öffnest / und alles Lebende sättigst mit Gefallen. – / Wahrhaftig ist ER in allen seinen Wegen, / huldreich in allen seinen Werken. / Nah ist ER den ihn Rufenden allen, / allen, die ihn rufen in Treuen. / Das Gefallen der ihn Fürchtenden wirkt er, / ihr Stöhnen hört er, und er befreit sie. /  ER hütet alle, die ihn lieben, / aber alle Frevler vertilgt er. / SEINE Preisung redet mein Mund, / daß alles Fleisch den Namen seiner Heiligung segne / in Weltzeit und Ewigkeit.« [Das Buch der Preisungen verdeutscht von Martin Buber, Köln & Olten:  Jakob Hegner 1966, S. 205]

Hier steht es also: Wir Menschen segnen Gott. Das Benediktus geht nicht nur von Gott auf uns zu, sondern in der Kraft unserer Wortes geben wir ihm den Segen zurück.“

Quelle: Eugen Rosenstock-Huessy, Die Sprache des Menschengeschlechts. Eine leibhaftige Grammatik in vier Teilen, Bd. 2: Dritter und vierter Teil, Heidelberg: Lambert Schneider 1964, S. 436.

3 Kommentare

  1. Das ist doch nichts Neues. Gott segnet uns und wir preisen (=segnen) ihn, wenn es zB im Gloria der Messe heißt „wir preisen dich“, dann ist das lateinisch „benedicimus te“, und benedicere heißt auf deutsch preisen bzw. segnen, je nachdem. Derlei Beispiele gibt es mehr. Und im Griechischen ist es analog mit dem Verb eulogeo. Aber im Deutschen verwenden wir gewöhnlich zwei verschiedene Wörter dafür.

  2. *benedicamus Domino quoniam bonus*

    singen wir immer wieder beim Taizégebet.

    Herzlichen Gruß und immer wieder Danke für viele schöne Texte und Ideen

     Hans Kammerer

  3. Interessant ist es, dass gerade im deutschen Sprachbereich (nicht im Englischen, wo es ja für Gott und Mensch to bless heißt) zu einer semantischen Differenzierung zwischen preisen und segnen gekommen ist. Da wurde das „Kreuz zeichnen“ (cruce signare = „segnen“) auf die Sprachhandlung „barach/eulogein/benedicere/bless“ übertragen, so schon Luther 1545 „19DAS haus Jsrael lobe den HERRN / Lobet den HERRN jr vom hause Aaron. 20Jr vom hause Leui lobet den HERRN / Die jr den HERRN fürchtet / lobet den HERRN. 21GElobet sey der HERR aus Zion / Der zu Jerusalem wonet / Halelu ia.“ (Ps 135, 18-21)

    Ist etwa Luther der Erfinder des „Segens“ im heutigen Verständnis?

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