Hans Joachim Iwands Vortrag „Martin Luther – Der Kampf um die reine Lehre“: „Am Anfang der Re­formation steht kein sich selbst täuschen­der Optimismus, sondern ein neugewonnener Sinn für die Entdeckung der Wirklichkeit Gottes und des Menschen.“

In Hans Joachim Iwands Vortrag zu Martin Luther und den Werdegang der Reformation, die dieser im Oktober 1958 in der evangelischen Matthäi-Kirchengemein­de in Düsseldorf gehalten hatte, klingt es hin und wieder pathetisch. Und manche Aussage mag historisch nicht ganz zu halten sein. Und doch bringt Iwand wie kein anderer in seiner Erzählung reformatorischer Ereignisse die evangelische Lehre zur Geltung:

Martin Luther – Der Kampf um die reine Lehre

Von Hans Joachim Iwand

Wir haben uns hier versammelt, um uns am heutigen Tage jenes Ereignisses zu erinnern, das nicht mehr wegzudenken ist aus der Geschichte der Christenheit, aber auch nicht aus der unserer abendländischen Kultur. Seither ist die westliche Christenheit in zwei Konfessionen getrennt, und die Frage: Was heißt Christsein? ist an dem bloßen Dasein einer organisierten Kirche nicht mehr abzulesen. Sie ist ins Innerliche, ins Personale, in eine dort zu treffende Entscheidung des Glaubens geschoben. Seither ist auch jener Prozeß eingeleitet, den man die Säkularisierung der modernen Welt nennt, das heißt die Herauslösung von Wissenschaft, Kultur, Gesellschaftsordnung und Staatsführung aus dem Rahmen eines vorgegebenen theologischen Systems oder einer autoritativen kirchlichen Jurisdiktion. Wenn man die Wirkung des Anschlages von 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg ermißt, kann man verstehen, daß die Phantasie späterer Generationen daran gearbeitet hat, sich diesen Tag dramatisch auszumalen. Man zeichnete Bilder, auf denen sich die Bürger Wittenbergs versammelten, Luther im fliegenden Mönchsgewand mit kräftigen Hammerschlägen sein Dokument gegen den Ablaßhandel an die Türe der Schloßkirche nagelte und die Leute, wie das üblich ist, in Haufen drum herumstehen, lesen, diskutieren, im Für und Wider sich ereifern. Aber die Wirklichkeit ist oftmals viel wunderbarer und geheimnisvoller als die Gemälde der menschlichen Phantasie, und wenn man sich von den nüchternen Historikern sagen läßt, wie still und unbemerkt jene Bewegung anlief, die bald den ganzen damaligen Kulturkreis mitreißen und umwälzen sollte, dann kann man schon verstehen, daß Luther hernach meinte, er sei bei diesem Werk der Reformation getrieben worden wie ein „geblendeter Gaul“. Ich möchte darum erst einiges von dem wirklichen geschichtlichen Hergang berichten, soweit die Chronik der Ereignisse uns darüber ins Bild setzt, und diejenigen, die etwas mein davon wissen wollen, auf das mit [21] großer Kunst und unbestechlichem Tatsachensinn geschriebene Buch von Heinrich Böhmer: „Der junge Luther“ verweisen. Wittenberg war damals eine Stadt von etwa 2000 Einwohnern, meist kleinen Ackerbürgern mit der Lizenz des Bierbrauens. Die zeitgenössischen Urteile über die Stadt, auch die Luthers selbst, sind gleichbedeutend negativ. Land und Leute haben wenig Reiz. Wittenberg ist eine Stadt ohne Schönheit, schmutzig, mit rohen Leuten. Auch die sie umgebende Natur entschädigt nicht. Es mag dies, vergleicht man den Weg, den die Reformation von Genf oder Straßburg aus nahm, nicht ohne Bedeutung gewesen sein. Die Universität war eben erst — vor 13 Jahren — gegründet, sie hatte damals 22 Professoren und kaum 300 Studenten. Sie wollte sich nicht recht entwickeln. Der Kurfürst hatte wenig Glück. Er mußte sich von Leipzig und von den Kirchen helfen lassen. Eine der Geldquellen, um das Gehalt der Professoren aufzubringen, war der für den 1. November, für „Allerheiligen“, der Schloßkirche bewilligte Ablaß. Dagegen hatte Luther bereits am 31. 10. 1516 in der Predigt das Wort ergriffen und damit eine ernste Verstimmung des Kurfürsten veranlaßt. Wahrscheinlich hat er darum seinen Thesenanschlag in aller Stille vorbereitet und selbst seinen besten Freunden, wie Spalatin und Staupitz, nichts von seiner Absicht gesagt. Er war entschlossen, sich nicht binden zu lassen. Sein Kampf gegen den Ablaß galt der Sekurität, der schrecklichen Sicherheit, die mit dem zunehmenden Mißbrauch dieses Handels mit „heiliger Ware“ in den Gewissen der Christen Platz griff. Der Ablaß galt ursprünglich den Strafen des Fegefeuers, die auf diese Weise von der Kirche als Mittlerin des Heils gemildert werden konnten. Man lehrte, daß mit diesen Ablässen das Fegefeuer verkürzt bzw. seine Strafen abgelassen werden könnten, und das nicht nur für die Büßenden selbst, sondern seit 1476 auch für Anverwandte und Freunde, die gestorben waren. Längst schon konnte man die „Bußen“ mit Geld ablösen. Es war eine Verdinglichung der Vergebung, die hier um sich gegriffen hatte. Auch stand die Gültigkeit des Ablasses fest, sobald der Ablaßbrief erworben war, ehe sich noch der Poenitent zum Priester und zur Absolution begab. Das Bußsakrament war damit ganz entwertet. Der besondere Anlaß, der den Kampf in Wittenberg heraufbeschwor, war die Propaganda für den Ablaß; wie sie [22] ein Dominikanermönch, der bekannte Tetzel, an den Grenzen des Kurfürstentums mit seinen Predigten und Praktiken betrieb. Darum hatte Luther, der damals fast 34 Jahre alt und seit fünf Jahren Professor war, seinen Entschluß zum Protest gefaßt. Er hatte seine 95 Thesen unbemerkt drucken lassen und schritt nun, gegen 12 Uhr mittags, von seinem Famulus Eisleben begleitet, vom schwarzen Kloster der Augustinereremiten zur Schloßkirche, wo öfter solche Disputationsthesen angeschlagen wurden. Die Thesen waren in Latein verfaßt, nur für die wenigen hier lebenden Gelehrten und Geistlichen bestimmt. Niemand in dieser kleinen Stadt hat den Vorgang weiter beachtet. Niemand hat sich zu der für den nächsten Tag angesetzten öffentlichen Disputation gemeldet. Aus der ängstlichen Reaktion, die bald darauf seine Ordensbrüder und Freunde zeigten, darf man vielleicht schließen, daß sie sich gescheut haben, das heiße Eisen anzupacken. So ging der Thesenanschlag in Wittenberg stillschweigend vorüber, Luther mußte sein Plakat am anderen Tage wieder entfernen. Das sorgfältig vorbereitete Ereignis war ein Stoß ins Leere gewesen. Nichts, gar nichts war dabei herausgekommen, und die Sache wäre ins Nichts versunken, hätte Luther nicht noch anderes getan. Er gab nämlich je ein Exemplar der Thesen mit begleitenden Schreiben an seine beiden kirchlichen Vorgesetzten, an den Bischof von Brandenburg und an den Erzbischof von Mainz, der in Aschaffenburg residierte. Weitere Exemplare packte er ein, um sie an Freunde in Nürnberg und Basel zu schicken, von denen er eine Stellungnahme und Kritik erbat. Dort sprang der Funke über! Die 95 Thesen kamen nach Rom, und sie kamen gleichzeitig in die Hände der deutschen Nation, der Gelehrten wie der einfachen Leute. Die Freunde hatten sie, ohne Luthers Zustimmung einzuholen, übersetzen und drucken lassen, lateinisch und deutsch fluteten sie über das Land, als Flugblätter und in Buchform. Auch ließ sich der junge Buchhandel das Geschäft nicht entgehen. Ein Versuch Luthers, die Sache zu stoppen, sein Hinweis, daß es sich ja um herausfordernde Thesen zum Zwecke einer gelehrten Disputation handele, kam zu spät. Der Sturmwind war in die Glocke gefahren, diese hatte von selbst zu läuten begonnen, und der Klang, der von ihr ausging, brachte ein ganzes Land zum Aufhorchen und Erwachen. Man nimmt an, daß Luthers Thesen durch [23] ganz Deutschland in etwa einem Vierteljahr verbreitet waren — für die damalige Zeit ein Ereignis ohne Beispiel. Sie kamen wie ein frischer Regen über ein dürres, ausgetrocknetes Land, wie eine Erlösung aus lange getragener und trotz aller Reformversuche nicht behobener innerer Not. Nicht nur Priester und Laien, auch höhere Grade der Hierarchie loben sie und sehen in ihnen einen Weg gewiesen, zu den echten Quellen des Glaubenslebens zurückzukehren, zum Bekenntnis echter Schuld und zum Empfang echter Vergebung, zu dem, was nur vor Gott selbst offenbar wird, und dem, was nur Gott selbst schenken kann. Die Thesen beginnen mit dem Ruf zur Buße, und zwar zu einer Buße, die als Grundhaltung das ganze Leben durchdringt und sich nicht auf einzelne Sünden und Mängel bezieht, und sie enden mit der Scheidung zwischen den falschen und den echten Propheten: „Wehe denen, die sagen: Friede, Friede, und ist kein Friede — Heil denen, die sagen: Kreuz, Kreuz, und ist kein Kreuz.“ Wie zwei Pfeiler, die eine Brücke tragen, bestimmen Buße und Kreuz das Ganze. Alles, was Luther hier zu sagen, was er an der Kirche zu kritisieren, was er in Jesus Christus positiv zu verkünden hat, hängt an diesen beiden festen Punkten. Er hat später einmal gestanden, wie wenig lieb ihm das Wort Buße anfänglich war, bis er mit Hilfe seines Ordensoberen, Johann Staupitz, in einem besonders erleuchteten Moment verstand, was Buße vom Evangelium her bedeutet: daß sie mit der Liebe zu Gott beginnt, nicht mit dem Bedenken begangener Fehler, und daß in dieser Liebe die Kraft liegt, die entscheidende Wendung zu vollziehen, die den Menschen von sich selbst und seinen Begierden frei macht und ihn lehrt, zu lieben, was wirklich liebenswert ist, und zu hassen, was Haß verdient. Wenn der Mensch beginnt, Gott zu lieben, Gott alles in allem sein zu lassen, kann er nicht mehr in sich selbst verkrampft sein. Es ist damit ähnlich wie mit dem Licht der Sonne, das am Morgen aufgeht. In diesem Lichte verlieren die künstlichen Lichter, mit denen wir uns die Nacht zu erhellen suchen, ihren Schein. Man muß das alte prophetische Wort Umkehr, Wandlung, Metanoia gebrauchen, um zu verstehen, was mit Buße gemeint ist. Eine Verwandlung geht mit dem ganzen Menschen vor sich, eine Verwandlung, die über seinen Verstand und sein Vermögen geht und der gegenüber er passiv ist wie der Mensch [24] in seiner Geburt. Die Liebe Gottes läßt ihn nicht den bleiben, der er von Natur aus ist, sie macht ihn neu. Sie macht den Sünder gerecht, den Toten lebendig, den verlorenen Sohn zum Kind des Hauses. Wenn Luther am Schluß vom Kreuz redet, so müssen wir uns auch das verdeutlichen: Diese Begegnung mit Gott ist bitter. Kreuz heißt Begegnung mit der Realität Gottes. Das Kreuz Jesu Christi offenbart uns die Welt in ihrem wahren Sein vor Gott. Es zeigt uns den Menschen, auch den frommen, in seiner Verlorenheit. So steht es um uns vor Gott. Luther wendet sich dabei gegen solche Theologen, die die Theologie als Weltverklärung betreiben. Das sind ihm falsche Propheten. Am Anfang der Reformation steht kein sich selbst täuschender Optimismus, sondern ein neugewonnener Sinn für letzte Realität, für die Entdeckung der Wirklichkeit Gottes und des Menschen. Dieser tapfere Glaube wendet sein Angesicht ganz und gar der furchtbaren Wirklichkeit zu, der Wirklichkeit in uns und um uns, wie sie vor Gott und durch Gott vor aller Welt offenbar ist — mit der nimmt er den Kampf auf. Nicht aus eigener Kraft, aber aus der Kraft dessen, der am Kreuz das Gericht über unsere Wirklichkeit enthüllt und diese zugleich verändert hat. „Der Kreuzestheologe sagt, was wirklich los ist“, schreibt Luther einmal. Seine Theologie ist schonungsloser Realismus der Tiefe und der Höhe, des Zorns und der Gnade. Weil es um den wirklichen Gott geht und um den wirklichen Menschen, darum muß der eingebildete Himmel und die eingebildete Menschennatur aus dem Blick gebracht werden. Das ist das Große, was in den Thesen hervorbricht: Der leidenschaftliche Hunger nach Realität, aber auch die darin verborgene Gewißheit, daß Gottes Wirklichkeit in Jesus Christus größer ist als alles, was wir als Wirklichkeit erfahren, sei es die Sünde, sei es der Tod. Darum ist der Christ zugleich beides, Sünder und gerecht, doch so, daß der Glaube unsere Sünde zum Weichen bringt und die Gerechtigkeit Gottes im Kommen weiß. Wie am Morgen noch beides da ist, Nacht und Tag, aber die Nacht weicht und der Tag heraufzieht, so ist auch im Leben der Glaubenden beides gemischt. „Christianus semper est in fieri.“ Der Christ ist immer im Werden. Sein zeitliches Dasein ist ein crespulum matutilum, eine Morgendämmerung.

Was ist demgegenüber der Ablaß, dieser von Menschen für [25] Menschen aufgestellte Schulderlaß? Was ist das Fegefeuer angesichts der Wirklichkeit des Zornes Gottes, der sich hier schon im Gewissen als ein unerträgliches Feuer ankündigt? Und was für ein armseliges Ding ist das trügerische Sicherheitsgefühl, das auf solch einen Ablaßzettel, mit Geld erworben, gegründet ist, gegenüber jener tiefen, neuen, freudigen Gewißheit des Herzens, vom Geist Gottes eingehaucht: „Daß ich höre dein heimlich Einraunen, dir sind vergeben die Sünd!“ Wie man einen Vorhang wegnimmt, um das Bild, das dahinter ist, zu enthüllen, so reißt Luther das ganze mittlerische Tun der Menschen, das in Reue, Absolution und Satisfaktion seine klassische Form gefunden hatte, hinweg, um uns direkt, unmittelbar, mit der Gegenwart des richtenden Gottes in seinem Wort zu konfrontieren. „Glaubstu, dann hastu“, predigt er immer wieder. Daher die Wucht seiner Thesen. Als sie erst einmal eingeschlagen haben — Luther ist sich wohl bewußt, es geht um die fällige Reformation der Kirche —, gibt es auch für ihn kein Zurück. Luther selbst ist nicht mehr Herr seines Weges. Er hat zwar aus mancherlei Rücksichten versucht, sich dem Gefälle zu entziehen, das ihn treiben sollte, wohin er nicht ahnte; aber alle Fluchtwege sind verlegt. Er muß fortan zu seiner Sache stehen. Die Notwendigkeit, die über ihn gekommen ist, ist größer als er. Er hat seine Sache, die ihn treibt, mit dem Wort genannt, das wir in seinem letzten Schwergewicht kaum mehr begreifen: mit dem Wort Lehre!

Luther hat sich über das, was „seine Lehre“ für ihn bedeutete, wohl nirgends so deutlich, so plastisch und drastisch geäußert wie in dem wilden, zornigen Brief an den König von England. Da heißt es:

„Ich bit aber umb Gotts willen noch ein einigs mal: Its euch müglich, so seit mit dem Luther unverworren, es ist werlich der Luther nicht, den yhr jagt. Ihr solt und musset und werdet des Luthers lere lassen stehen und bleiben, wenn ewver gleich zehen welt auffeinander weren. Mein leib ist bald auffgeribben, aber meine lere wird euch auffreiben und auffressen. Und zwar man solt ja schier spüren, wes meine lere sey, weil sie sich bis her so gewert hat, das noch keiner hat ihr mügen abbrechen, und für manchen sturm unverzagt und unüberwunden ist blieben“ (WA 23, 36,28-37,3). [26]

„Meine lere“, das ist eine Größe, die über ihm selbst steht, etwas von sich aus Lebendiges, Kämpfendes, Starkes, Wirkendes. „Meine lere wird euch auffreiben und auffressen.“ Sie ist als ein Gegner aller irdischen und überirdischen Feinde Gottes auf dem Plan, gegen Könige und Kaiser, Papst und Schwärmer, Teufel und „Geist“. Es ist ganz deutlich, daß Luther sich in seiner Gebundenheit an sie wie ein Sklave vorkommt. Er sieht sich niemals als das Subjekt oder gar als „Erfinder“ dieser Lehre. Sie ist ihm widerfahren als eine Offenbarung, wie er in Worms dem Cochläus auf dessen Frage hin unumwunden zugibt. Joseph Lortz sagt in seinem verständnisvollen Buch über die Reformation: „Die Reformation — das ist Luther.“ So ist es nicht. Das ist der katholische Irrtum bei der Betrachtung der Reformation. Im Auge des katholischen Betrachters erhebt sich hier ein Mensch, ein — wie man heute zugibt — ohne Frage frommer, tiefer, unendlich gebildeter und schaffensfreudiger Mensch, und macht seine subjektive Erkenntnis, seine persönliche Erfahrung und Anfechtung zum Ausgangspunkt seiner Kritik an der ganzen Kirche und ihrer durch die Jahrhunderte gefestigten Tradition. Im Lager der römisch-katholischen Kirche kann man Luther nicht anders sehen denn als einen Individualisten, der sich und seine Ansichten verabsolutiert, ein Genie, das seine Eigenheit nicht bändigen kann und ihr darum erliegt. Aber Luther selbst sieht sich ganz anders. Er sieht sich seiner Lehre, dieser Größe vom Himmel her (K. G. Steck), verpflichtet, ja mehr noch, er ist ihr ausgeliefert, preisgegeben, sie bringt ihn in Kampf und Not sie sichert ihm Sieg und weltüberlegene Gewißheit. „Meine lere ist das Hauptstück, darauf ich trotze, nicht allein wider Fürsten und könige, sondern auch wider alle teuffel. Und habe zwar sonst nichts mehr, das mein Herz erhält, stärkt, fröhlich und je länger je mehr trotziger macht. Das ander stück, mein Leben und persönlich wesen, weis ich zu gutter maßen selbst wol, daß es sündlich und keines trotzens ist. Ich bin ein armer sünder und lasse meine feinde eitel heiligen und Engel sein. Wol ihnen, so sie es können erhalten — meiner Lere halben bin ich teufel, kaiser, könig und aller Welt viel, viel, viel zu stolz, steiff und hoffärtig. Aber meines Lebens halben bin ich auch einm jeglichen Kinde demütig und unterworfen. Wer das nicht gewißt hat, der höre es jetzt.“ [27]

Wir modernen Menschen, gemäß unserem unkritischen Vertrauen auf eine alles umfassende Psychologie, drehen das Verhältnis von Person und Wahrheit um. Wir meinen, wir könnten die Erkenntnisse eines Menschen aus den Besonderheiten, Gefühlen, Stimmungen, Anlagen seiner Person erklären. Gewiß, damit läßt sich viel erklären, das ist das irdische Element, in dem sich die Wahrheit bewegt, das Zufällige, in dem sie Ereignis wird, Farbe und Ton erhält; aber der Wurzelgrund der Wahrheit Gottes ist die Person des Zeugen und sein Erleben nie. Luther versteht man erst, wenn man weiß, daß er mit seinem ganzen Leben auf diese „seine lere“ als auf etwas außer ihm Befindliches, seiner Willkür Entzogenes geworfen ist, an sie gebunden ohne Kompromiß. Sie steht über ihm., Sie ist frei, ganz frei; daß man sie mit seinem Namen behängt hat, ist belanglos. „Es ist der Luther nicht, den ihr jagt.“ „Man soll nicht sich lutherisch nennen, ich habe mit der ganzen Gemeinde die eine Lehre Christi.“ Nein, diese Lehre tritt in seinem Leben heraus wie die Kugel, die ihren Lauf verläßt und sich ihren eigenen Weg wählt. Wo sie rein bleibt, siegt sie. Sie siegt nicht nur über die Mächte der Welt — in Luthers Koburgbriefen kommt das in herrlicher Überlegenheit heraus —, sondern sie siegt vor allem über das steinerne, tote, gottabgewandte Herz des Menschen. Sie allein! Sie heißt Lehre oder Artikel von der Rechtfertigung allein aus Glauben. Diese Lehre ist mit Luther, aber doch nicht mit ihm allein da. Sie bringt die ganze Kirche in Aufruhr und Bewegung. Das macht nicht der Luther. Er ist, wo es sich um seine eigene, persönliche, der Zeit und den Umständen angemessene Haltung handelt, alles andere als ein Umstürzler. Er war schon als junger Mann allen selbstgerechten Eiferern und Neuerern abgeneigt. Er meint, daß der Mensch zuvor gewandelt werden müsse, ehe er darangehen kann, die Verhältnisse zu wandeln. Ohne Frage, er hat persönlich eine starke Abneigung gegen alles Umstürzlerische, ein Gefälle zum Konservativen. Daher kommt er uns so zwiespältig vor, und protestantische Theologen, wie Ernst Troeltsch oder der Engländer Figgis, haben Luther verantwortlich gemacht für den breiten Strom zähflüssigen Konservatismus und geistiger Restaurierung im späteren Luthertum. Aber das ist höchstens die persönliche, die dem Historiker oder dem So-[28]ziologen zugewandte, unwesentliche Seite. Das ist die Seite an Luther, die sein Dienst an der Botschaft, an der Lehre immer wieder durchbricht. Er möchte dem Papst gehorchen, er möchte sich unterwerfen; aber seine „Lehre“ läßt das nicht zu. Sein scheinbarer Konservatismus ist begrenzt und aufgehoben durch das, was er als einer, den seine Lehre voranzwingt — ohne zu wissen, wohin es geht! —, tun und sagen muß. Das „Trachtet am ersten nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit“ ist sein Thema geworden. Alles andere wird von dorther regiert. Der Mönch heiratet eine Nonne — ein Bruch heiliger Traditionen — und gründet ein neues Vorbild des gottgefälligen Ehestandes. Nicht weil er heiraten will oder möchte, im Gegenteil, er meinte damals (1525), er würde bald sterben und müsse darum ein Beispiel geben. Denn der Stand des Zölibats ist nach Gottes Gebot ein impius status, er muß aufgehoben werden in einem „höheren“ Stand, in der Ehe. Ähnliches gilt von seiner Bejahung der bürgerlichen Welt, des Eigentums, des Staates. Aber was uns heute an erster Stelle steht, kommt bei ihm immer an zweiter, ist relativ, nachgeordnet, in dieser Relation freilich wichtig. Es ist der Zusammenklang von Rechtfertigung und Heiligung. In der Aufhebung falscher Ordnungen und im Zerbrechen der allein von Menschen gesetzten Gerechtigkeiten schafft er das Neue. Es gibt nur eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, das ist die, welche Christus gebracht hat und ist, alles andere sind im Vergleich dazu iniquitates, Überheblichkeiten, Heucheleien, Ungerechtigkeiten, Verhaltensweisen, die nach außen glänzen, aber von innen hohl und widergöttlich sind. Aus ihnen muß der Mensch erst einmal heraus. Davon muß er ganz frei werden. Er muß frei werden von dem tief in ihm verwurzelten Stolz, dem Stolz auf gute Werke und Leistungen. Dieser Stolz ist die Wand zwischen ihm und Gottes erbarmender Gnade. Was uns gerecht, gut, fromm, heilig zu sein scheint, muß in das helle Licht der Gerechtigkeit Christi gerückt werden, damit wir uns da, wo wir es nicht zu sein meinen, als Sünder erkennen lernen. Denn jeder Mensch ist zwar von Natur ein Sünder, aber er muß es geistlich in sich selbst werden, in seiner Erkenntnis, in seinem Glauben, um ein wahrer Mensch zu sein. Und zum Sünder kann er nur dort werden, wo er sich nicht [29] als solcher erscheint in seinem falschen Stolz und seiner eigenen Gerechtigkeit.

Alle Sündenerkenntnis ist, das lehrt der junge Luther seinen Studenten, Glaubenserkenntnis. Alle Sündenerkenntnis heißt: Gott recht geben in dem, was er für uns getan hat. Gott hat recht damit, daß er Christus sandte und ihn für uns in den Tod gehen hieß. Das gilt nicht nur für die schwachen Menschen, sondern auch für die Starken, nicht nur für die. Heiden, sondern zuerst und vor allem für die Christen.

Dies ist das Erbe und Vermächtnis, das Luther uns evangelischen Christen hinterlassen hat. Dafür sind wir da, um das mitten in den anderen christlichen Konfessionen zu bezeugen: dieses sola gratia, das dem natürlichen Menschen nicht einleuchtet und nie einleuchten wird. Wir dürfen freilich sagen, daß jetzt das Verständnis dafür innerhalb der katholischen Christenheit und ihrer Theologen doch ganz anders aufgebrochen ist als in jenen Tagen des Spätnominalismus mit seiner Betonung der natürlichen Anlagen des Menschen. Das konfessionelle Gespräch ist, nicht zuletzt dank der Arbeiten Karl Barths, auf breiter Front in Gang gekommen. Vielleicht auch, weil die ganze Christenheit in Ost und West in Bewegung geraten, in ihrer Sicherheit erschüttert, zur Frage nach dem Grunde ihres Glaubens aufgerufen ist, wie nie zuvor.

Darum fühlen wir uns Luther und dem Typ der christlichen Existenz, den er verkörpert, besonders nahe. Luther zerbricht den Typ von Christlichkeit, der — ursprünglich ganz anders gemeint — aus dem mittelalterlichen Erziehungswerk der Kirche übriggeblieben war. Ich meine eine bewußt vollzogene und gelenkte Absonderung von der Welt, als wäre die christliche Existenz ein Selbstzweck, der durch ein Leben in festgeprägten Formen zu gewinnen sei. Luther ist selbst durch diese Form hindurchgegangen. Es ist immer noch nicht ganz klar, warum er eigentlich das Mönchstum, dem er sich selbst verschrieben hat, so radikal zerschlagen hat. Er ist ja nicht ausgetreten wie andere, denen dieser Stand zu schwer oder zu asketisch wurde, sondern er hat das Ideal zerbrochen, das einmal zur Formung dieses Standes führte: die Absetzung des Frommen von der Welt. Es erscheint ihm als selbstgemachtes Ideal, als eigengesuchter Weg. Er nennt diesen Weg [29] concupiscentia spiritualis. Man kann der Welt und ihren Verlockungen den Rücken kehren und doch noch — auch in den geistlichen Übungen — sich allein suchen.

Für Luther muß bei seinem Kampf gegen das Mönchstum und die Bruderschaften etwas ganz anderes maßgebend gewesen sein: daß Gott uns mit seinem Wort gerade dorthin führt, wohin wir nicht wollen. Das Leben des Christen in der Welt — das ist die Übernahme des Kreuzes. Das Kreuz ist ihm eingewoben in Ehe und Familie, Kindererziehung und Broterwerb, des Christen Leben ist ein Leben des Dienstes, vor dem sich damals Humanisten und Lebemänner ebenso drückten wie heute; ein Kreuz ist ihm der rechtverstandene Staatsdienst und die Aufopferung für das allgemeine Wohl im Unterschied zu Tyrannen und „Scharrhansen“, die die Macht um der Macht willen suchen. Das ist die neue Erfüllung des Berufes. Seit Luther bekommt dieses Wort einen weltlichen Sinn. Vor ihm wurde es nur auf den speziellen geistlichen Beruf angewandt. Vom Evangelium her wird deutlich, wie umfassend Gottes Berufung ist.

Um das Zentrum der Gnadenbotschaft Gottes bildet sich der breite Lichthof des bürgerlichen Ethos, der bis hin zu Kants Begriff der Pflicht reicht. Auf diesem neuen Fundament erwächst die Reformation — heute ist dieses Fundament geborsten. Auch diese Form der christlichen Existenz ist verbraucht. Damals war sie echt! Echt kann sie freilich nur dort sein, wo der Weg in die Welt — das heißt aber in die Anfechtung, in die Tat und ins Leiden — unter Gottes Anruf und Gebot erfolgt. Die Gebote Gottes sind es, die Luther in das Unberechenbare der Leiden und des Glaubens in dieser Welt führen. Um das Gebot Gottes zu verwirklichen, verläßt und zerbricht er das mönchische Leben. Er weiß sich immer gegen seine Vernunft von Gott geführt.

„Du bittest, ich soll dich erlösen, las dir nit leide sein, Lerne du mich nit, lere dich auch nicht, laß myr dich, ich wil dir meysters genug sein, ich will dich führen den weg, darinnen du mir gefällig wandelst. Du denkst es sey verderbt, wan es nit geht wie du denckst. Das denken ist dir schaedlich und hindert mich! Es muß geen nit nach deynem vorstand, sondern uber deyn vorstand. Senk dich in unvorstand, so gehe ich dyr mein vorstand. Unvorstand ist der rechte vorstand, nit wissen wohyn du geest, [31] das ist recht wissen, wohyn du geest. Mein Vorstand macht dich gar unvorständig. So ging Abraham aus seinem Vaterlande und westet nit wohyn. — Sieh das ist der weg des creutzes, den kanstu nit finden, sondern ich muß dich furen wie einen blinden. Darum nit ein mensch, nit eine creatur, sondern ich, ich selbst will dich unterweisen den Weg, da du inne wandeln sollst. Nit das werck, das du erweist, nit das leiden, das du erdenkst, sundern das dir widder dein erwelen, dencken, begirden bekummet, do folge, do rufe ich, do sei schüler, do ist es zeit, dein meister ist do kommen“ (I 172).

Das ist ein Stück aus der ersten deutschen Veröffentlichung Luthers, einer in Sprache und Inhalt kaum wieder erreichten Auslegung der sieben Bußpsalmen. Hier wird eins ganz deutlich: Gottes Gedanken sind nicht meine Gedanken, und Gottes Wege sind nicht meine Wege. Er ruft uns auf, unsere Augen zu schließen; denn Sein Auge ist offen. Gott begegnen heißt an eine Grenze stoßen, wo Sein Verstand mich unverständig macht. Mein Verstand wird Unverstand, wenn ich Gottes Wege von mir aus richten und beurteilen will. Es gilt aufzuhören, Gott nach den Maßstäben menschlicher Vernunft und Planung zu richten; wir haben uns seiner Norm und seinem Denken zu unterwerfen. Es ist der lebendige Gott, den Luther gefunden hat. Dieser Gott ist immer als unser Gegner auf dem Plan; wir sollen Gott nicht an unsere Gedanken und Wünsche angleichen, sondern sollen uns mit ihm versöhnen, indem wir seinen Gedanken und Worten recht geben.

Hier sitzt dann wohl auch der Punkt, an dem es zum endgültigen Bruch mit der Institution des Papsttums bei Luther kommt. Der Kampf um das rechte Verständnis des Papsttums bewegt bereits das Denken und Fragen der hochmittelalterlichen Kirche. Seit Joachim von Fiore wartet man auf den „Engelpapst“, auf einen spiritualen Führer der Christenheit. Auch der andere Gedanke, daß der Antichrist nicht in einer politischen Figur verkörpert sei — seinerzeit hatte man an Friedrich II. von Hohenstaufen gedacht —, sondern in der Kirche selbst auftreten werde, ist nicht neu. Neu ist bei Luther etwas anderes; dieses Neue konnte freilich erst heraustreten, als auch die Papstidee so monarchistisch bzw. absolutistisch herausgebildet wurde, daß in ihr die Kirche ihre [32] Spitze fand. Wir können noch nachspüren, wie in Luther zum ersten Mal der furchtbare Gedanke aufblitzt, der Papst könnte der Antichrist sein. Es geschieht in der Begegnung mit den römischen Kanonisten. Als diese erklären, daß die Schrift selbst ihre Kraft durch die Autorität des Papstes gewinne, schreibt Luther — es ist 1520 —, daß die „schrift nicht von der Autorität des papstes her ihre kraft gewinnt, sondern ,autoritatem papae ex scripturis pendere. Quid est Antichristus, si talis papa non est Antichristus‘“ (6, 310). Luther sagt: Talis Papa! Er sagt nicht, daß der Papst Leo der Antichrist sei. Er will nicht glauben, der Papst werde diese Rechtfertigung seiner Position, die ihm die Kanonisten, hier Silvester aus Priero, anbieten, gelten lassen. Ist er doch nur, was er ist, kraft und dank des Verbum Divinum! Wie kann ein geistlicher Körper ein leibliches Haupt haben? Wie kann ein gegenwärtiger Herr einen ihm gleichen oder noch mehr gegenwärtigen Vikar haben? Wenn ein Vikar nötig ist, dann ist der Herr nicht gegenwärtig. Wenn der Herr der Kirche aber gegenwärtig ist — und gegenwärtig ist er kraft seines Wortes —, dann ist der Stellvertreter nicht nötig. Damit beginnt der Kampf um die Kirche an ihrem exponiertesten Punkt. Die Kirche, wie sie geworden ist, in ihren Formen und Traditionen, wird überprüft auf ihren Grund hin, aus dem sie lebt! Darum re-formatio! Zurückbildung, Vereinfachung. Das Urbild wird wieder herausgestellt. Es wird alles abgeschlagen, was an Zutaten und Wandlungen aufgetragen ist, um das Eigentliche, das Wesentliche freizulegen. Es hat nicht lange gedauert, dann drangen neue Verfälschungen ein. Aber ein paar Jahre lag der Grundriß frei; der Himmel war über den Ländern der Reformation aufgegangen. Das Wort war da und sammelte um sich die vere credentes. Wir haben später noch öfter ähnliches erfahren. Aber wir haben auch erfahren: solche Zeiten sind einmalige Zeiten, sie kommen wie ein Platzregen, wie Luther sich ausdrückt, hinterher kommt die Sonne und leckt alles wieder auf. Dann folgt die dürre Zeit.

Luther hat sich später verzehrt im Kampf gegen die Modernisten, die seine Reformation humanistisch oder spiritualistisch weitertreiben wollten. Wilhelm Dilthey und Ernst Troeltsch haben gezeigt, wie gerade diese Gruppen und Tendenzen den Fortgang des Protestantismus wesentlich mitbestimmt und beeinflußt [33] haben. Sie haben aus der Reformation eine „Bewegung“ gemacht. Man kann aus dem, was später geworden ist, nicht so leicht die Reformation als solche ablesen. Es ist nicht in Erfüllung gegangen, was zeitweise den Führern der Reformation vorschwebte und in den glücklichen Jahren des Durchbruchs ganz nahe schien. Wie andere große Männer, die einen Umbruch ihrer Zeit zu steuern hatten, mußte auch Luther erleben, daß sich seine Freunde und Mitarbeiter von ihm trennten und er sich von ihnen. Es wurde einsam um ihn, und er sah hart und verdrossen sein Werk „vom Satan“ in vielen Gestalten bedroht. Aber in die römische Kirche hat er sich nie zurückgesehnt. Dahin hat er nie zurückgeblickt. Im Gegenteil, er hat hart über seine frühen Schriften geurteilt, weil er, wie er sagt, damals über das Papsttum noch nicht klar gesehen habe. Der Kampf dagegen nimmt im Alter an Heftigkeit zu. Wenn man zuweilen meint, Luther habe nur eine innere Reform der Kirche angestrebt und sei durch die Ungeschicklichkeit der Gegner aus der römischen Kirche herausgedrängt worden, so dürfte das kaum richtig sein. Die großen Wendungen in der Geschichte benutzen wohl die Zufälligkeit, wie damals Tetzel, Eck und andere, aber sie hängen nicht von ihnen ab. Sie hängen von einem ab, dessen „Werk niemand hindern kann“. So war einmal wirklich die Kirche auf dem Plan. Es trat die wahre Kirche der falschen gegenüber. Es fiel eine Entscheidung, wie sie seit der Trennung der ersten Christen vom Judentum nie wieder gefallen war. Auch hier stand Paulus hinter dem Ganzen und war der Meister, dessen Schüler der deutsche Reformator wurde. Hier 1ebte eine Kirche allein aus dem Evangelium, und die andere Kirche, die aus sich selbst leben wollte, aus ihren Institutionen, aus ihrer Eigengesetzlichkeit wurde zerbrochen. Daß solches möglich ist, ist erwiesen durch die deutsche Reformation. Darin ist sie Gewinn und Verlust zugleich.

Kirchenführer in unserem Sinne ist Luther nicht gewesen. Aber er wie Calvin, Butzer und auch der zu Unrecht geringgeachtete Melanchthon waren wirkliche Führer der Kirche. Sie alle wollten das gleiche: die Kirche in ihrem Gewordensein messen am Gesetz ihres Werdens. Das Gesetz ihres Werdens aber war ihnen das die Gemeinschaft der Glaubenden begründende Wort. Darum kann man nicht von der Kirche und ihrer geschichtlichen, ihrer [34] empirischen Erscheinung aus begreifen, was das Wort ist, sondern umgekehrt: Man muß das Wort haben, um zu begreifen, wer und was die Kirche ist. Wir Evangelischen sind nicht eigentlich eine Kirche des Wortes, sondern wir sind in der Kirche unter dem Wort. Wir sind Kirche, sofern und soweit bei uns das Wort Gottes, das richtende und rettende Wort Gottes, Jesus Christus, auf dem Plan ist.

Vortrag im Oktober 1958 zum Reformationstag in der evangelischen Matthäi-Kirchengemeinde in Düsseldorf.

Quelle: Hans-Joachim Kraus/Hans Joachim Iwand/Hermann Diem/Erwin Mülhaupt, Im Kampf um die Erneuerung der Kirche, Bekennen und Bekenntnis, Heft 6, Neukirchen-Vluyn 1959, 20-34.

Hier der Vortrag als pdf.

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